Klarinette: Wesentliches

Klarinette, deutsch

Die Klarinette ist...

Die Klarinette ist eines der jüngeren Holzblasinstrumente mit einfachem Rohrblatt und zylindrischer Röhre. Aufgrund ihrer akustischen Eigenschaften springt sie beim Überblasen in die Duodezime. Wenn man allgemein von "der" Klarinette spricht, meint man meist die A- oder B-Klarinette (auf dem Bild), die etwa doppelt so groß ist wie eine (Sopran-)Blockflöte. Daneben gibt es aber noch eine ganze Klarinettenfamilie von sehr klein und hoch - der Es-Klarinette (ca. 50 cm) über die B-, A-, Alt-, Bass- bis zu Kontrabassklarinette (die ist insgesamt 2,70 Meter lang und mehrfach gewunden).

Aussehen und Material

Das Instrument sieht einer Oboe aus der Entfernung ähnlich, allerdings hat sie ein breites Mundstück mit aufgebundenem oder aufgeschraubtem Blatt, genau wie Saxo­phone (und im Gegensatz zum dünnen Doppelrohrblatt der Oboe, das wie ein abge­flachter Strohhalm aussieht). Darüber hinaus ist sie auf der gesamten Länge außer dem Trichter etwa gleich stark. Innen hat sie eine zylindrische Bohrung (im Gegensatz zu den meisten anderen Blasinstrumenten, die nach unten weiter werden). Alle Klarinetten bestehen aus mehreren Teilen, meist sind es fünf. Der Korpus besteht bei hochwertigen Instrumenten aus dem sehr dunklen Grenadill-Holz, preiswerte Instrumente sind oft aus schwarzem Kunststoffen (Resonit, ABS). Es gibt auch Klarinetten aus Plexiglas oder Metall. Die Klappen aus einer Kupferlegierung sind versilbert oder vernickelt.

Tonumfang und Klang

Bild Tonumfang

Der Tonumfang der Klarinette ist größer als der aller anderen Blasinstrumente: Tiefster Ton ist mindestens das tiefe E, und das ist eine Oktave tiefer als der tiefste Ton einer gleich langen Oboe oder Flöte. Bassklarinetten gehen sogar meist bis zum tiefen C (wie ein Fagott). Nach oben hin ist der Tonumfang theoretisch unbegrenzt, aber praktisch klingt es dann irgendwann nicht mehr schön. Amateure können meist noch ein hohes c spielen - das sind dann Tonleitern über fast vier Oktaven.

Die Klarinette ist vom Klang und der Technik eines der beweglichsten und vielseitigsten Instrumente überhaupt. Charakteristisch für die Klarinette ist ein starker Klangunterschied zwischen den drei verschiedenen Registern (so bezeichnet man die tiefe Tonlage, die mittlere und die ganz hohen), bei keinem anderen Blasinstrument ist das so deutlich.

Die Dynamik (=Lautstärke) geht von praktisch unhörbar bis hin zu sehr laut - kein anderes Blasinstrument kann leiser einsetzen und auch in der lautesten Bigband geht die Klarinette nicht unter.

Mit Klarinetten kann man praktisch alle Artikulationen spielen - extrem kurzes Staccato, perfektes Binden aller Töne (Legato), Vibrato nach Bedarf, teilweise auch Glissando (also stufenlose Tonhöhenschwankungen).

Weltweit - verschiedene Stilrichtungen

Es gibt diverse nationale Stilrichtungen und zum Teil sehr deutliche Unterschiede in der Ansicht, wie eine Klarinette klingen sollte. Entsprechend haben sich auch verschiedene Instrumententypen entwickelt. In der international üblichen klassischen Musik, die vor allem europäisch geprägt ist, sind es das deutsche System mit der Spezialform Oehler-System und die französische Technik und Stilrichtung, das Boehm-System. Dabei hat sich das Boehmsystem weltweit nahezu vollständig durchgesetzt - außer in Deutschland und Österreich, wo sich das traditionelle deutsche System noch hält. Viele Musiker im Jazz, dem Klezmer und der orientalischen Musik benutzen das einfache, dem deutschen System ähnliche Albert-System ("simple System").

Bemerkenswert ist, dass die Klarinette heute in vielen nationalen Musikstilen so fest integriert ist, dass man sie dort für ein einheimisches Instrument hält.

Geschichte

Die Geschichte der Klarinette beginnt mit ihrer "Erfindung" um 1700: Der Nürnberger Instrumentenbauer J. C. Denner entwickelte sie, indem er ein sehr einfaches Hirteninstrument, das Chalumeau (sprich: Schalumoh), durch zwei zusätzliche Tonlöcher so ausbaute, dass man es nicht nur in der unteren Lage spielen konnte, sondern über 3 Oktaven, und dass es jetzt relativ gut stimmte. Dadurch wurde die Klarinette ein Instrument, das in der symphonischen Musik einsetzbar war.

Seit etwa 1800 ist die Klarinette im Symphonieorchester, der Volks-, Tanz- und Unterhaltungs- und Militärmusik sowie später dann auch im Jazz etabliert.

Bandbreite: Von Klassik bis Jazz

Heute wird die Klarinette in allen Arten von Ensembles gespielt. Die Anzahl der Klarinettisten und ihre Rolle ist dabei recht unterschiedlich, ebenso natürlich die Anforderungen an die Spieler und die Chance, in ein Ensemble aufgenommen zu werden. Diesen Fragen widmet sich ein eigenes Kapitel dieser Webseite, die Rolle der Klarinette im Orchester. Hier eine kurze Übersicht über die Ensembles, die Klarinettisten offenstehen:

  • Im klassischen symphonischen Orchester gibt es meistens zwei bis drei A- und B-Klarinetten, dazu oft noch eine Es- und eine Bassklarinette, je nach Bedarf. Gute Orchester wechseln ihre Bläser nur, wenn es nicht anders geht, der Bedarf ist also begrenzt; selbst wenn Du super spielst, brauchst Du auch viel Glück und gute Beziehungen, um hier reinzukommen.
  • Blasorchester - vor allem die großen symphonischen - sind eigentlich auch Symphonie­orchester, bei denen aber die hohen und mittleren Streicher durch Klarinetten, die tiefen durch Saxophone und Tenorhörner ersetzt werden (stark vereinfacht ausgedrückt). Entsprechend gibt es dort viele Klarinetten (bis zu 20). Der musikalische Anspruch kann dem vom klassischen Symphonieorchester durchaus entsprechen, aber durch den Tutticharakter der Klarinetten sind Deine Chancen für einen Einstieg hier viel besser als im klassischen Symphonieorchester.
  • Militärkapellen und ihre zivile Entsprechung, die Feuerwehr- und Stadtkapellen, sind meist Marschkapellen, die aber je nach Bedarf auch ein Unterhaltungsrepertoire spielen, das im Niveau schon an die Blasorchester heranreichen kann. Der Übergang zum Blasorchester ist fließend. In manchen Gegenden hat jede größere Gemeinde ein solches Orchester, so dass vor allem im ländlichen Bereich auch Nachwuchsklarinettisten gute Möglichkeiten haben, zu Orchestererfahrungen zu kommen.
  • Volksmusik-Kapellen sind meist regional gefärbte Ensembles, am bekanntesten sind die alpenländischen (Bayern, Österreicher, Oberkrainer) oder im tschechischen Stil spielenden Kapellen, aber natürlich auch solche für türkische und griechische Musik. Hier tummeln sich viele Profis, denn mit Volksmusik kann man Geld verdienen.
  • Das Klezmer- Zigeuner- oder Tango-Orchester ist nichts für Anfänger, hier kann man sich mit der Klarinette nicht verstecken: Diese Ensembles sind nämlich klein (Bass/Tuba, Akkordeon oder Klavier, Perkussionist, Geige, Klarinette, Gesang - mehr ist es meist nicht), zum anderen sind hier Fähigkeit und Bereitschaft zum Solospiel mit darstellerischen Qualitäten gefragt.
  • Vom Klarinettisten in der Kammermusik - meist als klassisches Quintet mit Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott - wird vor allem Perfektion erwartet. Profis halten das für die anspruchsvollste Rolle, die es für Musiker gibt, und lieben die Kammermusik. Das Repertoire ist klassisch bis modern. Ausser den Musikern selbst interessiert sich aber kaum jemand für diese Gattung.
  • In der BigBand und anderen Jazzformationen ist die Klarinette einmal ein Soloinstrument, dann Teil des Bläsersatzes. Hier werden Klarinetten und Saxophone wegen des gleichen Mundstücks und der ähnlichen Technik oft von denselben Musikern gespielt. Dabei ist die Klarinette auf dem Rückzug und wird immer mehr durch Saxophone ersetzt, die auch von der Lautstärke besser mithalten können.
  • Im Pop, Rock und anderer neuzeitlicher, kommerzieller, und meist elektronisch erzeugter Musik spielt die Klarinette bestenfalls eine seltene Gastrolle als Exot, auch schon mal die Bass- und Altklarinette wegen ihrer ungewöhnlichen Optik. Anders als Streicherinnen und Saxophonisten, die man in Musikvideos auch mal gerne zeigt (aber merkwürdigerweise dann oft nicht hört) macht eine B-Klarinette optisch kaum was her.

Ein Instrument für Dich?

Klarinetten sind weder extrem teuer (gute gebrauchte Instrumente gibt es schon ab etwa 500 Euro) noch groß und schwer zu transportieren (der Klarinettenkoffer passt problemlos in einen normalen Rucksack). Sie lassen sich vergleichsweise schnell lernen, auch schon als Kind (die Schneidezähne dürfen allerdings keine Milchzähne mehr sein). Je nach Ehrgeiz und Engagement kann man in zwei Jahren Unterricht mit regelmäßigem Üben (circa eine halbe bis eine Stunde pro Tag) schon genug lernen, um in einem Anfängerorchester oder einer Band mitzuspielen.

Du findest auch recht einfach ein Ensemble, indem Du mitspielen kannst, weil zum Beispiel Blas­orchester regelmäßig bis zu 20 Klarinetten einsetzen (aber nur 2 Oboen). Es gibt Entwicklungs­möglichkeiten von der Einstiegsstimme (zum Beispiel der 3. Klarinette im Jugendblas­orchester) bis hin zu Solokonzerten. Und Solostellen für Klarinette gibt es auch häufiger als das bei vielen anderen Instrumenten der Fall ist.




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