Klarinette: Definition & Fakten

Hier findest Du Definition und Fakten. Weitere Kapitel gehen noch ausführlicher darauf ein.

Wenn man an die Klarinette denkt, geht es meistens um dieses Instrument:
eine B-Klarinette (hier ein deutsches System).

Die Klarinette (engl.: clarinet, franz: clarinette, ital: clarinetto, auch clarino) ist ein Holzblas­instrument mit einfachem Rohrblatt und zylindrischem Körper. Das bedeutet, sie hat vom Mundstück bis kur vor dem trichterförmigen unteren Ende immer den gleichen inneren Durchmesser, die Bohrung. Das unterscheidet sie deutlich zum Beispiel von der Oboe und dem Saxophon, die nach unten hin immer breiter werden.

Echte Klarinetten springen beim Überblasen, dem Öffnen der Überblasklappe, ähnlich dem Oktavloch der Blockflöte, nicht in die Oktave (wie Blockflöten, Oboen und Saxophone das tun), sondern eineinhalb Oktaven höher (Details folgen unten). Deshalb braucht sie auch mehr Tonlöcher und damit auch Ton-Loch-Klappen als andere Blasinstrumente - normal sind heute 22 bis 28 Klappen. Der Tonumfang geht über etwa 4 Oktaven, sie kommt genau so hoch wie eine etwa gleich große Oboe oder ein Saxophon, aber eben auch viel tiefer. Darüber hinaus kann sie auch viel leiser und lauter spielen als die meisten anderen Holzblasinstrumente, nur Saxophone können noch lauter werden. Man kann mit ihnen komplizierte und schnelle Läufe und Sprünge genauso gut spielen wie ausdrucksvolle Passagen - was eine hervorragend ausgebildete Altsängerin singen kann, bekommt eine Klarinettistin ebenso gut hin. Damit eignen sich Klarinetten für klassische Musik genauso wie für Marsch- und Tanzkapellen.

Durch diese Vielseitigkeit ist die Klarinette ein beliebtes Instrument für Komponisten und Arrangeure, und in Folge natürlich auch für Musiker und Musikschüler. Im deutschsprachigen Raum wird die Klarinette daher nicht nur von einigen hundert Profis, sondern auch von tausenden von Amateuren gespielt - in allen Arten von Ensembles.

Tonerzeugung

Der Ton wird erzeugt, indem beim Blasen in das Mundstück das darauf befestige Rohrblatt vibriert. Dadurch wird die Luftsäule in der Bohrung des Instruments in eine Resonanz-Schwingungen versetzt, die wiederum das Blatt in dieser Schwingung hält. Die Lippen des Spielers dämpfen das Blatt und verhindern, dass das Instrument krächzt oder quietscht. Die Tonhöhe wird durch die Resonanzschwingung der Luftsäule zwischen Blattspitze und Öffnung unten in der Bohrung vorgegeben. Sind alle Klappen des Instruments geschlossen, endet diese Luftsäule knapp unter der Öffnung des Trichters. Öffnet der Spieler Klappen, wird die Strecke zwischen Mundstück und Austreten der schingenden Luftsäule entsprechend kürzer und dadurch der Ton höher, genau wie bei anderen Holzblasinstrumenten und ähnlich wie beim Verkürzen von Gitarrenseiten.

Instrumentenbauer nennen Musikinstrumente mit zylindrischem Rohr und Klangzunge - einem schwingendem Klangerzeuger, der beim Blasen die obere Öffnung durch Schwingungen öffnet und verschließt, "gedackte Pfeifen" (Details dazu siehe hier). Aufgrund der akustischen Eigenschaften einer solchen Pfeife springt der Ton beim Überblasen nicht in die Oktave, sondern eineinhalb Oktaven höher. Deshalb braucht sie mindestens 4 Tonlöcher und damit auch Klappen mehr als andere Holzblasinstrumente und ist für den Anfänger auch etwas schwieriger zu lernen als zum Beispiel ein Saxophon, vor allem ist sie aber viel schwieriger zu bauen. Deshalb gibt es sie auch erst ab 1700 (siehe unten: Geschichte).

Aussehen und Material

Die bekannteste und verbreitetste Klarinette ist die B-Klarinette (oben abgebildet). Wenn man allgemein von "der" Klarinette spricht, meint man meist diese, oder die fast gleich große A-Klarinette. Sie sind etwa doppelt so groß ist wie eine übliche (Sopran-)Blockflöte, das Instrument das die meisten Schüler irgendwann einmal lernen.

Die A- und B-Klarinetten - und auch die deutlich kürzere Es-Klarinetten - sehen einer Oboe aus der Entfernung schon recht ähnlich, sie sind schwarz, schlank und haben silberne Klappen. Allerdings hat die Klarinette im Vergleich zur Oboe ein breites Mundstück mit aufgebundenem oder aufgeschraubtem Blatt - im Gegensatz zum dünnen Doppelrohrblatt der Oboe, das wie ein abge­flachter Strohhalm aussieht. Darüber hinaus ist die Klarinette auf der gesamten Länge außer Mundstück und Trichter etwa gleich stark, denn innen hat sie eine zylindrische Bohrung, während Oboe und Saxophon zum Trichter hin deutlich breiter werden.

Klarinettenfamilie: von Es - über B-, Alt-, Bassklarinette bis zur Kontrabassklarinette.

Ausser der A- und B-Klarinette gibt es eine ganze Klarinettenfamilie, von sehr klein und hoch - der Es-Klarinette (ca. 50 cm) über die B-, A-, Alt-, Bass- bis zu Kontrabassklarinette (die ist insgesamt 2,70 Meter lang und mehrfach gewunden). Von der Größe und der Form abgesehen und der Notwendigkeit, zum Teil sehr lange Klappen an den Instrumenten unterzubringen, unterscheiden sich die Klarinettentypen nicht wesentlich. Ein Spieler kann nach einiger Eingewöhnung auf jeder Instrumentengröße fast alle seine gelernten Griffe in der normalen Handhaltung (große Hände vorausgesetzt) verwenden. Es gibt dabei nur wenige Ausnahmen. Tatsächlich sind auch die Noten für alle Klarinettentypen, selbst für die tiefsten, im Violinschlüssel notiert (wobei hier unter dem Violinschlüssel-G eine 8 oder eine 8(2) steht, die anzeigen, dass es eine oder zwei Oktaven tiefer klingt).

Alle Klarinetten der Familie bestehen aus mehreren Teilen, meist sind es fünf. Das Mundstück ist meist aus einem Hartgummi - Resonit, seltener Kristall oder Plexiglass. Der Korpus besteht bei hochwertigen Instrumenten aus dem sehr dunklen Grenadill-Holz (afrikanisches Ebenholz), preiswerte Instrumente sind oft aus schwarzem Kunststoffen (billig: ABS, teuer: karbonfaserverstärkte Grenadill/Epoxidharz-Verbund). Es gibt aber auch Klarinetten aus Plexiglas oder Metall.

Die Klappen sind aus einer Kupferlegierung - dem Neusilber - und sind meist versilbert (besser), vernickelt (wegen der Allergiebildung etwas problematisch) oder vergoldet (sieht merkwürdig aus). Aus dem gleichen Metall sind bei den großen Klarinetten der Trichter und der S-Bogen, in dem das Mundstück sitzt.

Tonumfang und musikalischer Ausdruck

Bild: Klarinette Tonumfang

Oben wurde schon gesagt, dass der Tonumfang der Klarinette größer ist als der aller anderen Blasinstrumente: Tiefster Ton ist mindestens das tiefe E, und das ist eine Oktave tiefer als der tiefste Ton einer gleich langen Oboe oder Flöte. Bassklarinetten gehen sogar meist bis zum tiefen C (genau so tief wie ein Fagott). Nach oben hin ist der Tonumfang theoretisch unbegrenzt, aber praktisch klingt es dann irgendwann nicht mehr schön. Amateure können meist noch ein hohes c spielen - das sind dann Tonleitern über fast vier Oktaven.

Die Klarinette ist vom Klang und der Technik eines der beweglichsten und vielseitigsten Instrumente überhaupt. Charakteristisch für die Klarinette ist ein starker Klangunterschied zwischen den drei verschiedenen Registern (so bezeichnet man die tiefe Tonlage, die mittlere und die ganz hohen), bei keinem anderen Blasinstrument ist das so deutlich.

Die Dynamik (=Lautstärke) geht von praktisch unhörbar bis hin zu sehr laut - kein anderes Blasinstrument kann leiser einsetzen und auch in der lautesten Bigband geht die Klarinette nicht unter. Nur Saxophon und Blechbläser können noch weiter "aufdrehen".

Mit Klarinetten kann man praktisch alle Artikulationen spielen - extrem kurzes Staccato, perfektes Binden aller Töne (Legato), Vibrato nach Bedarf, teilweise auch Glissando (also stufenlose Tonhöhenschwankungen).

Weltweit verschiedene Klang/Stilrichtungen

Es gibt diverse nationale Stilrichtungen und zum Teil sehr deutliche Unterschiede in der Ansicht, wie eine Klarinette klingen sollte. Entsprechend haben sich auch verschiedene Instrumententypen entwickelt, die dazu passen. In der international üblichen klassischen Musik, die vor allem europäisch geprägt ist, sind es das deutsche System mit der Spezialform Oehler-System und die französische Technik und Stilrichtung, das Boehm-System. Dabei hat sich das Boehmsystem weltweit nahezu vollständig durchgesetzt - außer in Deutschland und Österreich, wo sich das traditionelle deutsche System noch hält.

Viele Musiker im Jazz, dem Klezmer und der orientalischen Musik benutzen das einfache, vom deutschen System abstammende Albert-System ("simple System"), mit dem Ligaturen, extremes Vibrato bis zum "Jaulen", "Weinen" oder "Schluchzen" und Glissando möglich sind, die man für die orientalische Musik und Jazz braucht. Ein mit deutschem Klarinettenstil aufgewachsener Zuhörer würde diese Instrumente allein vom Klang her überhaupt nicht als Klarinette erkennen. Umgekehrt gilt das natürlich auch.

Geschichte

Die Klarinette ist ein junges Instrument ohne echte Vorfahren. Bemerkenswert ist, dass die Klarinette heute in vielen nationalen Musikstilen so fest integriert ist, dass man sie dort für ein uraltes einheimisches Instrument hält. Tatsächlich hat sie dort einheimische Instrumente - meist Oboen-ähnliche - verdrängt.

Die Geschichte der Klarinette beginnt mit ihrer "Erfindung" um 1700: Der Nürnberger Instrumentenbauer J. C. Denner entwickelte sie, indem er ein sehr einfaches Hirteninstrument, das Chalumeau (sprich: Schalumoh), durch vier zusätzliche Tonlöcher und zwei Klappen so ausbaute, dass man es nicht nur in der unteren Lage spielen konnte, sondern über 3 Oktaven, und dass es jetzt relativ gut stimmte. Dadurch wurde die Klarinette ein Instrument, das in Orchestern spielen konnte, eine noch bestehende Lücke zwischen Holzbläsern und Blech schloss und in der schon sehr anspruchsvollen professionellen Musik einsetzbar war.

Etwa 1750 schrieb Mozart sein Klarinettenkonzert (KV 632), das auch heute noch eines der beliebtesten Werke für Klarinette ist. Seit etwa 1800 ist die Klarinette ein unverzichtbares Instrument neben Oboe, Fagott und Flöte. In der Volks-, Tanz- und Unterhaltungs- und Militärmusik sowie später dann auch im Jazz wurde es das führende Soloinstrument, neben der Trompete.

Seit 1930 gibt es kaum noch technische und klangliche Verbesserungen am Instrument. Die seit fast 100 Jahren bestehenden deutschen Oehlersysteme und französischen Boehmsysteme sind auch heute noch weitgehend unverändert Standard für Profis und Amateuere.

Bandbreite: Von Klassik bis Jazz

Heute wird die Klarinette in allen Arten von Ensembles gespielt. Die Anzahl der Klarinettisten und ihre Rolle ist dabei recht unterschiedlich, ebenso natürlich die Anforderungen an die Spieler und die Chance, in ein Ensemble aufgenommen zu werden. Diesen Fragen widmet sich ein eigenes Kapitel dieser Webseite, die Rolle der Klarinette im Orchester. Hier eine kurze Übersicht über die Ensembles, die Klarinettisten offenstehen:

Ein Instrument für Dich?

Klarinetten sind weder extrem teuer (gute gebrauchte Instrumente gibt es schon ab etwa 500 Euro) noch groß und schwer zu transportieren (der Klarinettenkoffer einer B-Klarinette passt problemlos in einen normalen Rucksack). Sie lassen sich vergleichsweise schnell lernen, auch schon als Kind (die Schneidezähne dürfen allerdings keine Milchzähne mehr sein). Je nach Ehrgeiz und Engagement kann man in zwei Jahren Unterricht mit regelmäßigem Üben (circa eine halbe bis eine Stunde pro Tag) schon genug lernen, um in einem Anfängerorchester oder einer Band mitzuspielen.

Du findest auch recht einfach ein Ensemble, indem Du mitspielen kannst, weil zum Beispiel Blas­orchester regelmäßig bis zu 20 Klarinetten einsetzen (aber nur 2 Oboen). Es gibt Entwicklungs­möglichkeiten von der Einstiegsstimme (zum Beispiel der 3. Klarinette im Jugendblas­orchester) bis hin zu Solokonzerten. Und Solostellen für Klarinette gibt es auch häufiger, als das bei vielen anderen Instrumenten der Fall ist.