Bassklarinette

Voller Klang aus der Tiefe

Die Bassklarinette ist wesentlich größer als die B-Klarinette. Ihre Entwicklung begann ca. 1800. Eine so große Klarinette setzt ein perfektes Klappensystem oder ein mehrfach geknicktes Instrument voraus. Da es um 1800 noch keine perfekten Klappen gab, musste man das Instrument eben mehrfach knicken, um mit den Fingern die eigentlich weit auseinander liegenden Tonlöcher abzudecken, so dass diese Instrumente nicht so wie eine normale Klarinette aussahen, sondern wie eine gewundene Schlange (Bild).

Francois J. Fetis, ein belgischer Musikforscher, schrieb 1832: "Beim Anblick dieses großen, ja riesigen Instruments glaubten die meisten Hörer, dass sie harte und raue Töne zu hören bekommen würden; statt dessen hörten sie schöne volle, stark und weich klingende Töne..." (zitiert nach Renate Rusche). Die Italiener nannten das Instrument entsprechend auch Glicibarifono (Süß-Tieftöner), heute heißt es auf italienisch Clarone. Diesen Namen verwendet zum Beispiel auch Sabine Meyer in ihrem "Trio di Clarone".

1836 wurde sie von Meyerbeer in seiner Oper "die Hugenotten" mit einem großangelegten Rezitativ eingeführt - und gleichzeitig schuf der berühmte Erfinder des Saxophons, Adolphe Sax, ein Modell, dass dem heutigen sehr ähnlich ist (und die perfekten Klappen benutzt). Seitdem wird sie in großen Orchesterbesetzungen (vor allem dann Wagner, Verdi) verwendet, bald auch in der symphonischen Blasmusik und in der Unterhaltungsmusik. Wegen der ähnlichen Form wird die Bassklarinette oft für ein Saxophon gehalten - eigentlich ja eher ein entfernter Verwandter...

Die Bassklarinette ist in B notiert, meist im Violinschlüssel (seltener im Bassschlüssel) und klingt eine Oktave tiefer als die B-Klarinette. A-Bassklarinetten gibt es nicht, obwohl Komponisten sie oft vorschreiben (wenn nämlich die B-Klarinetten auf A wechseln, weil es in Kreuz-Tonarten geht): Dann muss der Musiker transponieren. Im Gegensatz zu den hohen Klarinetten ist das aber meist möglich, denn der Bassklarinettist muss nur sehr selten artistische Fingerübungen machen. Hier kommt es mehr auf Klang und ruhige Bewegungen an - vergleichbar mit dem Rollenverhältnis von Violine und Cello.

Bassklarinette: Spezialklappen tiefe Töne
Spezialklappen

Gewaltiger Tonumfang - extreme Dynamik

Im Tonumfang übertrifft die Bassklarinette alle anderen Blasinstrumente - sie kann so tief spielen, wie ein Fagott (damit man Fagottstimmen spielen kann, hat sie oft vier Klappen mehr als eine normale Klarinette und geht bis tief C - das klingt dann als B), aber auch noch so hoch wie eine normale Klarinette, und ihre Dynamik geht deutlich weiter als die einer normalen Klarinette. Einsetzen im ppp in beliebiger Höhe ist überhaupt kein Problem, genauso wenig ein explosives Crescendo zum fff. Überraschenderweise wird dabei nicht wesentlich mehr Luft gebraucht als etwa bei der B-Klarinette. Nur in der Leichtigkeit und Beweglichkeit sind die hohen Klarinetten der Bassklarinette überlegen: Große Klappen und langen Hebel fordern eben ihren Tribut.

Diese Eigenschaften machen das Instrument für "Klangmaler" interessant Wenn man einmal bewusst Filmmusik anhört, wird man feststellen, wie oft sie hier zum Steigern der Spannung eingesetzt wird (wenn sich zum Beispiel Kater Sylvester von hinten an Tweety anschleicht oder sich eine bedrohliche Szene im Krimi einstellt...).

Am Ende des 20. Jahrhunderts gab es Bassklarinetten auch in der Unterhaltungsmusik. Es wurde schick, darauf zu spielen. Ende der neunziger Jahre war sie vorübergehend sogar mal so etwas wie ein "Kultinstrument".




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