Korrekter Ansatz
Unter Ansatz versteht der Klarinettist, wie er das Mundstück der Klarinette zwischen den Lippen hält und hineinbläst. Der französische Ausdruck "embouchure" (also "in-den-Mund-halten") trifft das übrigens viel besser.
Der Ansatz trägt wesentlich zum Klang bei. Der korrekte Ansatz kann hier nur kurz umrissen werden, am besten - und schnellsten - lernt man ihn bei einem gut ausgebildeten Klarinettenlehrer. Wie geht es nun?
- Man stellt sich entspannt hin. Wenn man es später richtig kann, darf man sich natürlich auch hinsetzen, aber dann möglichst auf die vordere Stuhlkante, die nicht zu tief sein darf, damit man vernünftig atmen kann. Die Oberschenkel sollten leicht nach unten abfallen, sonst knickt der Bauch ein und das Zwerchfell kann nicht frei arbeiten.
- Man hält die Klarinette in einem Winkel von etwa 45° zum Körper.
- Man legt die Unterlippe über die Zähne des Unterkiefers (wenn man jetzt zubeißt, liegt die Unterlippe zwischen den Zähnen von Ober- und Unterkiefer) und zieht die Unterlippe straff (ähnlich wie beim Lächeln). Um zu prüfen, ob man es richtig macht, kann man mit beiden Zeigefingern jeweils auf die Unterlippe direkt außerhalb der Eckzähne drücken und etwas nach außen ziehen - das sollte jetzt nicht mehr weit gehen. Mit viel Übung ist die Unterlippe völlig straff. Anfänger sollten das nicht übertreiben, sonst gibt es Muskelkater!
- Man nimmt die Klarinette so weit in den Mund, dass das Blatt auf der Unterlippe liegt, und man mit der Zungenspitze von unten gegen das Blatt stoßen kann, mindestens so weit hinten, dass man dabei die vorderste Blattkante nicht berührt.
- Man drückt die Klarinette leicht (für Anfänger eher etwas fester) gegen die Schneidezähne des Oberkiefers und schließt die Lippen (vor allem die Oberlippe) um das Mundstück, so dass, wenn man jetzt bläst, keine Luft mehr irgendwo entweicht
- Man darf fast keinen Druck von unten gegen das Blatt ausüben, damit das relativ frei schwingen kann
- Man stellt sich den Ton vor, der jetzt kommen sollte (kein Scherz!)
- Man bläst hinein (Atmung und Blasen sowie Anstossen siehe unten)
Richtige Atmung
Zuallererst sollte einmal deutlich gesagt werden, dass die Atemtechnik, die gutes Klarinettespielen ermöglicht, völlig unnatürlich ist. Natürliche Atmung ist gleichmäßig und geht durch die Nase; Ein- und Ausatmung dauern etwa gleich lang. Der Vorgang läuft unwillkürlich durch den Körper selbst gesteuert. Das hilft, die richtige Sauerstoffmenge im Kreislauf zu erhalten, die Atemluft zu reinigen, zu erwäen und die Schleimhäute feucht zu halten. Die Atemtechnik beim Klarinettespielen setzt stoßartiges Einatmen durch den Mund (durch die Nase geht es nun mal nicht schnell genug) voraus und dann (wenn man ehrlich ist) mehr oder weniger gepresstes Ausatmen mit unterschiedlichem Druck über eine laaaaaange Zeit - ein roter Kopf ist nichts Ungewöhnliches. Natürlich und gesund ist das bestimmt nicht!
Die gute Nachricht ist hier aber, dass der Druck beim Klarinettespielen lang nicht so hoch ist, dass man verrückt davon wird, wie das beim Oboespielen schon vorkommen soll ... ;-) Der Mensch beherrscht diese Art der Atmung aber auch schon relativ lang, es entspricht nämlich der Art, wie wir beim heftigen Reden atmen (es ist nur noch etwas heftiger).
Man unterscheidet zwei Arten des Luftholens bei der Atmung: Die Bauch- oder Zwerchfellatmung und die Schulter- bzw. Brustkorbatmung. Beide dienen dazu, den Brustraum (Thorax) in dem sich die Lungen befinden, zu weiten, und dabei Luft in die Lungen zu saugen; und dann wieder zusammenzudrücken, wobei die Luft entweicht. Natürlicherweise benutzt man beide Arten, und auch beim Klarinettenspielen sind beide wichtig; oft ist aber die Zwerchfellatmung vom vielen Sitzen mit angewinkelten Beinen etwas unterentwickelt. Entscheidend ist für alle Blasinstrumente, dass man die Zwerchfellatmung trainiert, denn die hat Vorteile: Schulter und Brustkorb sind beim Spielen wegen des Haltens des Instruments und des Betätigens der Klappen beschäftigt, und das Zwerchfell ist da noch frei. Auch hoher Druck lässt sich mit dem Zwerchfell sehr einfach aufrecht erhalten.
Im Stehen ist richtige Atmung noch ganz einfach, beim Sitzen gilt: auf keinen Fall zu niedrig und zu weit hinten sitzen (vorne auf einer hohen Stuhlkante ist ideal). Eine wirksame Hilfe bei schlechten und zu niedrigen Stühlen in Konzertsälen kann ein orthopädischer Schaumstoffkeil sein - den legt man so auf den Stuhl, dass die Sitzfläche nach vorne hin abfällt. Und wenn man ihn auch bei Konzerten benutzen will: eine unauffällige Bezugfarbe (Schwarz, Grau) wählen - sonst fällt der Keil stark auf.
Griffe
Die Griffe für die beiden Haupt-Register (Chalumeau - und Klarinetten-Register) sind über alle Klarinetten-Größen (von Es bis Kontrabass) gleich und werden im Unterricht vermittelt. Es gibt nur ganz wenige spezielle Triller-Griffe, die eventuell auch bei einzelnen Klarinetten-Modellen anders gehen. Oberhalb des Klarinetten-Registers, also bei doppelten Überspielen, fangen dann die individuellen Unterschiede des einzelnen Klarinettisten und seines Instrumentes an, so stark zu wirken, dass man besser alles einmal selbst ausprobiert.
So ganz anders als zum Beispiel bei der Blockflöte sind übrigens die Griffe nicht. Tatsächlich sind im oberen Register des deutschen Systems - also dem Klarinettenregister, bei gedrückter Überblasklappe - die Griffe praktisch identisch zu denen der Blockflöte. "Alle Finger drauf" ergibt sowohl bei Blockflöte als auch Klarinette ein "C" und "nur die linke Hand drauf" ergibt bei beiden ein "G". Auch das Gabel-F funktioniert. Zumindest sind das die notierten Töne, denn die Klarinette erklingt entsprechend tiefer, weil sie ja transponiert - bei B-Klarinette erklingt beim Greifen des C ein B, bei A-Klarinette ein A.
Als Orientierungshilfe gibt es Grifftabellen, die auch der erfahrene Klarinettist bei einzelnen Stellen heraus kramt, um nachzusehen, ob es nicht vielleicht doch noch einen praktischen Hilfsgriff gibt. Ich habe hier Links auf brauchbare Grifftabellen im Internet angegeben:
Grifftabelle B-Klarinette, deutsch
(unter www.klarinette24.de )
Grifftabellen Boehm, Oehler und Albert etc.
(www.wfg.woodwind.org/clarinet/index.html - Englischer Text)
Bei den höchsten Tönen sind die Klarinetten und individuellen Spieler schon so unterschiedlich, dass man ausprobieren und genau wissen sollte, bei welchen Tönen man eventuell offene Tonlöcher ganz oder zum Teil mit den Fingern abdecken sollte, damit ein Ton besser stimmt oder zumindest besser klingt.
Außerdem ist es von Instrument zu Instrument wichtig, herauszufinden, ob zum Beispiel ein Gabel- oder Klappengriff besser stimmt. Bei schnellen Läufen oder Trillern mag das egal sein, da kommt es auf Bequemlichkeit oder Schnelligkeit an, wenn man einen Ton lange aushalten oder ppp anstoßen muss, ist das schon wichtig.
Anstossen
Unter "Anstoßen" versteht man den Vorgang, bei dem man das Blatt zum Schwingen freigibt. Eigentlich wird gar nicht gestoßen sondern losgelassen, denn man hat vorher die Zunge auf dem Blatt, so dass es nicht schwingen kann und lässt das Blatt dann mehr oder weniger schnell los, wobei man gleichzeitig bläst.
Anstelle das aber so zu probieren, ist es viel einfacher, sich vorzustellen, man würde "TAAA" oder "DAAA" sagen, oder besser singen - die Zungenbewegung ist dann genau richtig und auch der Luftstrom stimmt schon ziemlich gut.
Hartes oder weiches Anstossen und Legato
Bei der Klarinette gibt es anders als zum Beispiel beim Klavier viele Dimensionen des Tonerzeugens. Beim Klavier gibt es beim Anschlag immer nur eine Dimension - egal, was mein Klavierlehrer da immer behauptet hat. Diese Dimension ist die Geschwindigkeit der Taste beim Aufschlag, die sich dann direkt in die Lautstärke umsetzt. Ganz anders hat der Klarinettist deutlich mehr Möglichkeiten zur Tonformung. Ein wichtiger ist das Anstoßen. Wir haben es eben schon kennengelernt: "TAAA" und "DAAA", natürlich geht auch "HAAA", das wäre dann ein Ton ohne Anstoß, nur mit An"hauch". Und dann gibt es natürlich noch Legato - hier wird ein Ton an den vorigen gebunden, also reißt der Luftstrom und damit die Schwingung der Luftsäule im Instrument theoretisch überhaupt nicht ab. (Theoretisch, weil zwischen zwei Tönen - ausser beim Glissando - die Schwingung natürlich doch kurz zusammenbricht, nur nimmt man das nicht deutlich wahr).
Klingendes Staccato und Staccato Seccho - was ist das?
Die Art des Anstoßens hat noch nichts mit der Tonlänge zu tun - in soweit gibt es harte (Staccato) oder weiche lange und kurze Töne: "TAAA TAAA TATATATATA" oder "DAAA DAAA DADADADADA" oder "HAAA HAAA HAHAHAHAHA" - alle drei Phrasen haben die jeweils gleiche Tonlänge (zumindest gleich notiert, natürlich ist "HA" länger als "TAT" - einerseits braucht das Anhauchen mehr Zeit und beginnt schon kurz vor dem Ton, andererseits schwingt der Ton etwas nach. Die Unterschiede sind aber kaum messbar und die Töne werden als gleich lang wahrgenommen).
Wenn klingendes Staccato gefordert wird, bedeutet das, man spielt: "TA TA TA TA". Seccho (also "trockenes" Staccato spielt man "TAT TAT TAT TAT". Beim ersteren hat das Blatt und die Luftsäule eine Chance, auszuschwingen, beim letzteren wird der Ton mit der Zunge quasi abgewürgt. Wenn man mit der Zunge schnell ist, klingt das oft nicht mehr schön. Die meisten anderen Instrumente können kein so kurzes Staccato wie die Klarinette spielen, weil diese anderen Instrumente zum Anschwingen längere Zeit braucht. Deshalb sollte man sich als Klarinettist in einem Ensemble an das Staccato der anderen Musiker anpassen, eventuell nimmt man die Artikulationszeichen und -beschreibungen nicht ganz so wörtlich.
Doppelzunge - was ist das und geht das auf der Klarinette?
Oft wird vom Musiker schnelles Staccato verlangt. Die Blechbläser verwenden dann die sogenannte Doppelzunge. Der Begriff ist etwas irreführend, tatsächlich müsste es besser "Halbzunge" heißen: Sie spielen nämlich nicht "TAT-TAT-TAT-TAT-TAT" oder - was etwas leichter ist: "TATATATATATA", sondern "TAKATAKATAKATAKA". Das bedeutet, anstatt eines "richtigen" Anstoßens mit der Zunge unterbrechen Sie den Luftstrom mit der Mittelzunge am Gaumen. Beim Blechblasinstrument ist ein Unterschied kaum zu hören, und wenn man das bei hoher Geschwindigkeit bei der Klarinette macht, geht es auch. Doppelzunge eignet sich aber nur bei nachklingendem Staccato bzw. hohem Tempo (zum Beispiel bei Julius Fuciks Florentinermarsch) - ansonsten sollte man versuchen, das klassische Anstoßen zu üben.
Akzente (>) - sind die einfach nur lauter?
Beim Klavier (siehe oben) wäre das so - der Pianist kann ja einen Ton, den er einmal angeschlagen hat, nicht mehr verändern, nur noch stoppen - der Klavierton wird immer in der gleichen Geschwindigkeit leiser. Bei einer Klarinette gilt das nicht. Ein Klarinettist kann einen Akzent spielen, wie er gemeint ist: Der Ton bekommt am Anfang etwas - oder deutlich - mehr Druck (mit der Luft). Den Druck nimmt man sofort wieder zurück und spielt in der Originallautstärke weiter. Spielt man gemeinsam mit Streichern, macht man den Effekt nicht so stark wie zusammen mit einem Bläsersatz.
Analog geht man beim umgekehrten Zeichen (<) vor: Nach Anstoßen in der Normallautstärke "dreht man kurz auf", (auch "Nachdrücken" genannt) - und spielt danach wieder in der ursprünglichen Lautstärke weiter. Klar, ein Klavier kann so etwas gar nicht. Spielt man also mit einem Klavier zusammen, muss man überlegen, ob es wichtiger ist, dass beide Instrumente die Artikulation gleich machen (wenn beide eher gleichwertig sind) oder ob es wichtiger ist, dass die Klarinettenstimme die Melodie bringt, wie gedacht (wenn das Klavier eine reine Begleitung ist).
Stimmen durch Herausziehen der Birne und seine Grenzen
Generell ist jede Klarinette für eine bestimmte Tonhöhe gebaut und durchgestimmt. Das bedeutet in erster Linie, dass das Instrument bei dieser Stimmung in sich stimmt: Dann sind alle Töne im genau richtigen Abstand zueinander. Jedes Tonloch ist an der richtigen Stelle.
Durchgestimmt ist das Instrument auf einer bestimmten Tonhöhe, man macht das heute in der Regel mit dem klingenden A (gegriffenes H) bei 442 Hertz bis 444 Hertz (es gibt einen Trend zur höheren Stimmung). Abhängig von der Qualität des Instruments und einiger anderer Voraussetzungen stimmt das Instrument dann auch mehr oder weniger gut und auch in sich. Diese anderen Voraussetzungen sind:
- Der Mundraum und Ansatz des Spielers wirkt als ein Stück der schwingenden Luftsäule und abhängig davon werden die "kurzen Töne", also die bei denen fast alle Klappen offen sind, mehr oder weniger stark beeinflusst
- Die Temperatur und Luftfeuchtigkeit des umgebenden Raums und des Instruments verändert die Tonhöhe. Die gute Nachricht ist, dass das auf die meisten Holzbläser, vor allem auf Klarinetten, nahezu gleich wirkt. Die schlechte Nachricht ist, dass es auch andere Instrumente gibt, zum Beispiel Streicher, die zwar auch betroffen sind, aber ihr Instrument problemlos (und perfekt!) auf eine vorgegebene Tonhöhe stimmen können und es auch tun.
Setzt das Orchester elektronische Stimmgeräte ein, muss man als Klarinettist also seine Tonhöhe anpassen. Und das bedeutet: Man muss das Instrument herunter- oder heraufstimmen, um es an die vorgegebene Tonhöhe anzupassen. Sonst klingt es grausam. Das hören zu lernen, gehört für die meisten Menschen zu den Herausforderungen des Zusammenspielens. Tatsächlich gibt es Menschen, die es besser können und andere, denen es wirklich schwer fällt. Es gibt aber nur sehr wenige, die es überhaupt nicht hinbekommen.
Das machen Orchester üblicherweise, indem ein Instrument (Oboe) einen Ton (meistens A, in Blasorchestern auch B) vorgibt, und alle anderen nacheinander kurz diesen Ton aufnehmen, und abhängig von der Differenz ihre Birne oder den S-Bogen (bei tiefen Klarinetten) herausziehen oder hineinschieben. Dann stimmt der Ton und alles ist gut. Oder?
Leider passiert dabei folgendes: Nehmen wir an, wir stimmen auf dem klingenden A bei 440 Hertz, (wir müssen bei unserer B-Klarinette B greifen). Nehmen wir weiter an, wir machen das mit dem "kurzen" A. Unsere Klarinette ist noch erheblich zu hoch. Wir ziehen also die Birne heraus, bis das A stimmt. Wir haben für das kurze A die Birne um 3 mm herausgezogen - das ist viel. Das macht bei einer Gesamtlänge der schwingenden Luftsäule von etwa 10 cm eine Verlängerung um etwa 3%. Die Frequenz steigt um etwa 3% an (FRAGE: IST DAS SO???) Betrachten wir nun unseren tiefsten Ton: das E. Die Luftsäule bis zum E ist etwa ??? cm lang, die 3 mm Verlängerung machen für diesen Ton also nicht 3% aus, sondern nur 0,3%. Die Frequenz steigt um etwa 0,3% an. Das bedeutet: Die Veränderung wirkt sich viel weniger aus.
Was heißt das nun? Das heißt, dass wir mit unserer Maßnahme nur die "kurzen Töne" halbwegs auf 440 Hertz gestimmt haben, die "langen Töne" fast unverändert sind und wir damit die Gesamtstimmung des Instruments geopfert haben.
Der Effekt ist in der Praxis glücklicherweise nicht so krass, wie oben beschrieben. Wir stimmen ja auch nicht mit einem kurzen oder einem langen Ton, sondern nehmen das H (klingendes A) oder das C (klingendes B) in der Mitte. Das führt dazu, dass die kurzen Töne etwas zu stark verstimmt werden und die langen etwas zu wenig. Es ist nur wichtig zu verstehen, dass man - wenn man sein Instrument durch Längenveränderung "stimmt", die "in-sich-Stimmung" mit Ansatz wieder herstellen muss.
Wenn wir als Spieler in einem oder mehreren Ensembles spielen, sollten wir folgendes tun: Bewaffnet mit einem Stimmgerät und einem Blatt Papier analysieren wir unser Instrument:
- Normalerweise stimmt das Instrument in sich bei voll hereingeschobener Birne und im warmgespielten Zustand - also spielen wir es erst einmal mindestens eine Viertel Stunde
- Jetzt spielen wir eine chromatische Tonleiter und notieren für jeden Ton die Abweichungen
- Das wiederholen wir ein paar Tage später und insgesamt ein paar Mal. Es sollte sich ein bestimmtes Muster von Abweichungen ergeben.
- Dann ermitteln wir die Standardstimmung unseres/unserer Ensembles, und führen die Messung wie oben beschrieben wieder durch, aber jetzt mit einem auf A (oder B) in der Grundstimmung des Ensembles gestimmten Instruments. Wenn die Grundstimmung des Ensembles erheblich von der Standardstimmung unseres Instruments abweicht, können sich ganz andere Muster ergeben.
- Wiederholen, bis das Muster jeweils stabil ist.
Jetzt kennen wir die "Macken" unseres Instruments bei verschiedenen Grundstimmungen und müssten wissen, in welchem Ensemble (oder bei welcher Stimmung) wir die Fehler unseres Instruments wie ausgleichen müssen. Das müssen wir jetzt üben; wie das geht, siehe unten.
Daneben sollten wir noch zwei Probleme kennen:
- Die Klarinette hat den Nachteil, dass beim Überblasen in die hohe Lage die Töne nicht eine Oktave nach oben gehen, sondern eineinhalb Oktaven, wodurch die Tonhöhe auch bei den besten Klarinetten immer ein Kompromiss ist.
- Daneben (und das trifft jetzt alle Holzblasinstrumente) kommt der Effekt des akustischen Widerstands der offenen Tonlöcher hinzu: Die Druckwelle tritt aus dem höchsten geöffneten Tonloch aus, als sei das Instrument hier abgesägt - egal, was sich darunter befindet. Bei höheren Frequenzen wird der Widerstand der Tonlöcher größer und die Wellen treten nicht mehr vollständig hier aus, sondern gehen noch teilweise durch die Bohrung weiter. Je kleiner die Tonlöcher sind, desto größer der Effekt. Das bedeutet zum einen, dass hier die Abdeckung tieferer Tonlöcher auch stärker wirkt. Zum anderen bedeutet diese - wenn auch geringe - Verlängerung der schwingenden Luftsäule, dass die Töne hierdurch tiefer werden. Man kann aber deswegen nicht einfach die Tonlöcher versetzen, weil sie für das tiefe Register ja korrekt sind. Wir müssen dem Effekt einfach entgegenwirken.
Einen einzelnen Ton durch "Ansatz" in der Höhe verändern (Stimmung "in sich" verändern)
Was muss man tun, um einen Ton durch "Ansatz" und Abdecktechniken zu verändern?
Während wir bei der Stimmung durch Herausziehen der Birne die Luftsäule verlängern, was direkt da ansetzt, wo es wirkt - nämlich der Länge der schwingenden Luftsäule - müssen wir mit Ansatz und Abdecktechnik indirekt ansetzen. Am Ende können wir auch nur dann etwas bewirken, wenn sich akustisch die Tonsäule verlängert. Wie macht man das?
Zum einen können wir das eigentlich für die Tonhöhe verantwortliche Tonloch ein wenig abdecken, indem wir den Finger dicht darüber halten oder es halb abdecken. Das wirkt nur im Klarinettenregister und nicht im tiefen Chalumeauregister. Das Ergebnis ist meist auch klanglich nicht perfekt, vor allem lässt es sich auch nicht gleichzeitig schnell und präzis machen, aber wenn die Richtung stimmt, ist es oft besser als nichts. In schnellen Läufen hören die meisten Menschen kleine Abweichungen ohnehin nicht besonders deutlich - anders als bei einem lang ausgehaltenen Ton; und da haben wir dann Zeit, zu korrigieren.
Daneben können wir mit dem Ansatz (Lippenspannung und Mundhöhle) etwas ausrichten, zumindest im cent-Bereich. Dabei nutzen wir aus, dass auch die Mundhöle ein Teil der schwingenden Luftsäule sein kann - normalerweise ist sie es nicht; die Welle wird an der Spitze des Mundstücks reflektiert und läuft nicht in den Mund hinein. Im Chalumeauregister ist das auch grundsätzlich so und lässt sich nicht erreichen. Im Klarinettenregister aber, insbesondere bei den höheren, also kurzen Tönen, am einfachsten bei den allerhöchsten, kann man mit etwas Übung durch Veränderung der Mundhöhle den Ton beeinflussen. Am einfachsten stellt man sich vor, die Vokale "UUU-OOO-AAA-EEE-III" zu formen, während man spielt. Dabei verändert sich die Mundhöhle und der Effekt wird direkt hörbar.
Wie man ein Glissando spielt
Glissando (italienisch für "Gleiten") bedeutet stufenlose Tonhöhenveränderung. Einfach ist das für Streichinstrumente und Posaunen. Da der Effekt spektakulär ist, wird er im Jazz gerne eingesetzt; aber es geht auf der Klarinette nur bei hohen Tönen. Deckt man in der oberen Hälfte des Klarinettenregisters die Tonlöcher der Klarinette halb ab, wird der akustische Widerstand der Tonlöcher stärker, so dass die schwingende Luftsäule nicht schon beim ersten offenen Tonloch vollständig hinausläuft (das würde im Chalumeauregister so sein), sondern teilweise auch in der Bohrung weiterläuft und schwingt - also praktisch in verschiedenen Tonhöhen schwingen könnte, je nachdem, was jetzt der Spieler mit den Lippen macht: er kann jetzt das Blatt entsprechend dämpfen, was plötzlich einen erheblichen Einfluss auf den Ton bekommt. Mit etwas Übung kann man die Tonsäule sogar dazu bringen, nicht an der Mundstückspitze zu enden, sondern im Mundraum selbst. Dann kann man die Schwingungsfrequenz so verändern, dass der Übergang zwischen zwei Tönen völlig glatt wird und ein Glissando entsteht. Parallel muss man aber schon die Tonlöcher mit aufmachen. Das klingt kompllizierter als es ist; probiert mal die Vokalformung wie oben beschrieben! Weiter unten auf der Tonleiter ist das aber nicht möglich, schon gar nicht im Chalumneauregister, weil bei niedrigen Frequenzen der akustische Widerstand weniger stark wirkt.
Eine ausführliche Erklärung hierzu findet sich im (englischsprachigen) Dokument "how to play the first bar of Rhapsody in Blue".
Deshalb spielt man eben bei der "Rhapsody in Blue" den ersten Teil des ersten Taktes auch als mehr oder weniger sauberen, in Folge immer stärker verschmierten Lauf. Dabei versucht man durch langsames Öffnen der Klappen ein klares Kippen der Schwingungsfrequenz von einem Ton zum nächsten zu verhindern, so dass ein möglichst weicher Übergang entsteht. Perfekt funktioniert das aber eben erst in der oberen Hälfte des Klarinettenregsiters.
Wie man Vibrato spielt
Es gibt verschiedene Arten, Vibrato auf einem Holzblasinstrument wie der Klarinette zu erzeugen:
- Zwerchfellvibrato (wie es zum Beispiel die Oboisten machen)
- Ansatzvibrato (Kieferkaubewegung, wie Jazz-Saxophonisten es machen)
Hierzu gibt es gut verständliche Videoanleitungen in Youtube.