Komponisten und die Klarinette

Die bekanntesten Komponisten

Die Klarinette lebt - wie alle Instrumente - von gespielter Musik. Meistens ist es komponierte Musik, nur selten - im Jazz und bei bestimmter Volksmusik wie beim Klezmer - wird improvisiert. Einzelne Kompositionen können als Meilensteine in der Klarinettenmusik gelten und sind entsprechend bekannt, wie Mozarts und Webers Klarinettenkonzerte, wie der Anfang von Gershwins Rhapsody in Blue und der Katze in "Peter und der Wolf".

Die bekanntesten Komponisten, die nennenswerte Werke für Klarinette geschrieben haben, sind hier in chronologischer Reihenfolge sehr kurz aufgeführt. Das sind keine Lebensläufe, sondern nur Blitzlichter auf ihre Bedeutung für die Klarinette. Die Links verweisen zu ihrer Musik und zu etwas ausführlichen Informationen im Netz.

Natürlich ist diese Auswahl subjektiv. Komponisten wie Johann Sebastian Bach, Beethoven und Wagner tauchen nicht auf: Zu Bachs Zeit war die Klarinette noch nicht so weit, dass er sie eingesetzt hätte, und weder Beethoven noch Wagner komponierten spezielle Werke für Klarinette - sie setzten sie als Instrument natürlich genial ein, aber es gibt keine "weltbewegende" Klarinettenstelle - jedenfalls ist mir keine bekannt. Wem ein Komponist fehlt, der mailt mir einfach einen Vorschlag mit einer Beschreibung wie die unten; ich nehme die natürlich gerne auf.

Und dann bekomme ich regelmäßig Mails, wie dieses von Stephan Landgrebe:

... Es gibt neuere zeitgenössische Werke, wie etwa Jürg Baurs Werk "Abschied", das mir gewidmet ist. Baurs ist Direktor des Konservertoriums Düsseldorf und einer der bedeutenderen Komponisten des zwanzigsten Jahrhunderts. Klaus Wüsthoff, der in allen Branchen der Musik bedeutendes geleistet hat, hat sein Concertino auf meine Anregung hin für ein Kammerensemble (Klarinetten- Quintett) umgeschrieben. Es scheint mir der Verbreitung niveauvoller Musik für Klarinette angemessen, darauf hin zu weisen, dass auch hier eine Entwicklung stattfindet.

Liebe Freunde der zeitgenössischen Komposition (aber das gilt natürlich auch für alle anderen): Wenn Du findest, dass ein Stück oder Komponist hier erwähnt werden sollte, dann schreib doch bitte einfach entsprechende Absätze - und erklär auch kurz, warum dieser Komponist oder sein Stück erwähnenswert ist. Etwa so, wie Sie es auf der Seite bereits vorfinden. Und wenn es Aufnahmen gibt, zum Beispiel auch von Dir selbst, lade sie auf Youtube hoch und schick mir einfach einen Link, wo sich das mal jeder direkt anhören kann (aber gib auf die GEMA-Rechte acht!). Eine bessere und direktere Werbung gibt es nicht - diese Seite hier hat tausende von Besuchern täglich, das führt zum einen zu Lesern, zum anderen bekommst Du ein gutes Ranking bei Google...


vor der Klassik (Barock):


Georg Friedrich Händel (1685 - 1759),
Carl Philipp Emanuel Bach (1714 - 1788)

Im späten Barock, also bis etwa 1750, war die Klarinette als Instrument zum einen technisch noch nicht so weit, dass man sie ernsthaft spielen konnte, zum anderen gab es keine ausgebildeten Klarinettisten (außer reisenden Virtuosen), und so komponierten die bekannten Komponisten noch kaum für die Klarinette. Allerdings findet man schon bei C.P..E. Bach und Händel in späten Stücken einige Stimmen für Klarinette.

Hierzu schreibt Othmar Kruse, Bassetthornist aus Hamburg:

"Wenn die Klarinette zwar noch ein Schattendasein im Barock fristete, so hatten weitere bekannte Komponisten sich an diese "getraut". Antonio Vivaldi mit seinen drei Concerti Grossi für 2 Oboen, 2 Klarinetten und Streicher zum Beispiel. Oder auch der damals sehr bekannte Jean-Philipp Rameau mit seinen zahlreichen Opern und den darin schon recht effektvoll gesetzten Klarinettenpartien. Der andere Bach-Sohn - Johann Christian Bach (oder auch der "Londoner Bach" genannt - jetzt sind wir schon in der Frühklassik) traute sich sogar an "Clarinetten d'Amore"; er schrieb hiervon drei Instrumente in seiner Oper "Temistocle" vor. Sie galten - nach heutiger Erkenntnis - wohl als Vorläufer des Bassetthorns.

Carl Stamitz (1717-1757)

Stamitz war nicht nur selbst ein Klarinettist, sondern gleichzeitig Leiter der Mannheimer Hofkapelle und schrieb Stücke für dieses Ensemble. Die Mannheimer waren zwar nicht unbedingt das erste Orchester, wo Klarinettisten fester Bestandteil der Holzbläser waren (ab 1757), aber sie trugen - vor allem auch wegen der Qualität und der Konzertreisen - wesentlich zur Popularität der Klarinette bei. Stamitz schrieb einige sehr gefällige Solokonzerte, die alle späteren Komponisten beeinflussten - natürlich auch Mozart.

Mittlerweile gibt es einige seiner Stücke bereits online zum kostenlosen Download, zum Beispiel das Konzert No.6. (schrieb: Lars-Eric Armstroff)


Klassik:


Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791)

Bild: Wolfgang A. Mozart

Der bekannteste klassische Komponist überhaupt hat auch das bekannteste Werk für Klarinette überhaupt geschrieben: Das Klarinettenkonzert in A-Dur (dessen langsamer zweiter Satz manchen Zeitgenossen eher als Filmmusik aus "Jenseits von Afrika" bekannt sein dürfte...). Mozart lebte zu einer Zeit, als die Klarinette noch so neu war, dass sie schon dadurch interessant wurde, andererseits war das Instrument bereits so ausgereift, dass ergreifende Musik mit ihr möglich war. Mozart schrieb 1778 an seinen Vater: "... ach, wenn wir nur clarinetti hätten! - sie glauben nicht was eine sinfonie mit flauten, oboen und clarinetten einen herrlichen Effect macht!". Ab etwa 1780 war die Klarinette und dann besonders das Bassetthorn Mozarts Lieblingsinstrument und er freundete sich mit Anton Stadler an. Für ihn schrieb er die berühmten Klarinettenkonzerte.

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Pedro Etienne Solere (1753 – 1817)

Leser Marcus Frischherz schreib: Ich möchte noch einen Komponisten erwähnen, der für die Klarinette geschrieben hat: Pedro Étienne Solère. Es gibt in Wikipedia kurioserweise nur auf holländisch einen Artikel über ihn, aber als deutschsprachiger kann man das schon verstehen:

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Jan Václav Knezek (1745 - 1806)

Der Komponist aus Böhmen hat etliche schöne Solokonzerte geschrieben, die man öfter auch im Radio hört, sie sind sehr angenehm zu hören und bringen die Stärken des Instruments heraus, insbesondere in dem Konzert für zwei Klarinetten. Knezek arbeitete am Hof von Thurn und Taxis in der Hofkapelle als Klarinettist und auch als Komponist. Im Gegensatz zum berühmten Hornisten Stich (alias "Punto"), der als Leibeigener, also als Sklave (das gab es 1790 noch!) am Hof musizieren musste, und der dann zusammen mit Knezek ins deutsche Reich floh, war Knezek Angestellter. Er wurde für seine Kompositionen sogar extra bezahlt.


František Kramár (1759 - 1831) [deutsch: Franz Krommer]

Der böhmische Komponist hat mehrere sehr schöne Solokonzerte geschrieben, die man oft im Radio hört, sie sind sehr artistisch, aber angenehm zu hören. Kramárs Stil ist typisch für die Komponisten der Zeit der reisenden Klarinettenvirtuosen. Diese beauftragen beliebte Komponisten vor allem mit dem Schreiben beeindruckender Werke, denn das Publikum wollte natürlich immer wieder etwas neues hören.


Caspar Kummer (1795 - 1870)

Er hat sehr schöne Sachen für Flöte und Klarinette (Op 46) und Fl-Kl-Fagott (Op. 32) geschrieben, gut zu spielen, nicht so schwer, "vernünftige" Tonarten für B-und C-Instrumente, angenehme Phrasenlängen (immer wieder Atempausen) und es klingt gut.

(... schrieb Anke Sirrenberg - vielen Dank!)


Romantik:


Louis Spohr (1784 - 1859)

Louis Spohr ist zwar heute nicht mehr so bekannt wie Mozart oder Weber, aber zu Lebzeiten war er sehr populär. Spohr begann für seinen Freund Johann Simon Hermstedt (1778-1846) in Sondershausen zu komponieren. Hermstedt war der große Techniker unter den Virtuosen, und so sind die vier Klarinettenkonzerte (1808-29) voller virtuoser Spieltechnik durch alle Lagen. Spohr kannte sich zuerst nur im Umfang der Klarinette aus und nahm keine Rücksicht auf immer noch mögliche technische Schwierigkeiten, was nach Fertigstellung des ersten Konzertes wiederum zur Folge hatte, dass sich Hermstedt daran machte, die Mechanik seines Instrumentes zu verbessern und so die Klarinettenentwicklung vorantrieb.

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Karl M. v. Weber (1786 - 1826)

Bild: Karl M. v. Weber

Webers Kompositionen sind neben Mozarts die bekanntesten und am meisten gespielten. Natürlich ist Weber als der Komponist der romantischen deutschen Oper "Freischütz" dem breiten Publikum viel bekannter - aber die Klarinettenkonzerte, die er für seinen Freund, den Klarinettisten Heinrich Baermann schrieb, sind mindestens ebenso gut. Carl Maria von Weber kannte die Stärken uns Schwächen des Instruments ganz genau (viel besser als Spohr - und Baermann war auch nicht so sehr der Techniker wie Hermstedt) - und deshalb sind seine Stücke so dankbar. Er schrieb nach der erfolgreichen Aufführung an einen Freund: "Das ganze Orchester ist des Teufels und will Konzerte von mir haben. Sie überlaufen den König (Ludwig von Bayern) und die ganze Intendanz...".

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Johannes Brahms (1833 - 1897)

Bild: Johannes Brahms

Brahms hatte überhaupt schon aufgehört, zu komponieren, aber ähnlich wie Mozart für Stadler und Weber für Baermann schrieb, brachte Mühlfelds Klarinettenspiel Brahms dazu, seine letzten Werke für die Klarinette Mühlfelds zu schreiben: Das Klarinettentrio op. 114 und das Klarinettenquintett op. 115 (1891) sowie seine beiden Klarinettensonaten op. 120 in f-Moll und Es-Dur (1894). Das war Hundert Jahre nach Mozart, entsprechend weit war die Klarinette in Technik und Klang fortgeschritten, und entsprechend ist das Ergebnis.

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George Gershwin (1898 - 1937)

Bild: George Gershwin


Der amerikanische Komponist ist einer der ersten, der symphonischen Jazz schrieb; also Elemente des Jazz in ein Stück für Symphonieorchester auskomponierte. Damit schuf er eine Tradition, in der sich viele symphonische Komponisten, die auch für Musical und Filmmusik schreiben, bewegten bzw. noch heute bewegen wie Aaron Copland, Leonard Bernstein und John Williams.

Inwieweit er Romantiker ist und nicht ein Komponist der "Moderne" kann man sicher diskutieren. Vielleicht schreibt mal ein Leser mit entsprechendem Hintergrund was dazu?

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Moderne:


Sergej Prokofieff (1891 - 1953)

Bild: Sergej Prokofieff

Russische Moderne Musik - dafür steht Prokofieff, obwohl man daran nicht zuerst denkt. Sein bekanntestes Werk, "Peter und der Wolf", ist vom Stil her übrigens auch echt "modern". Prokofieff war aber überzeugt, dass auch die Moderne populär sein müsse, sonst würden die Zuhörer sich primitiver Popmusik zuwenden, und so schrieb er Musik, die auch heute noch die Konzertsäle füllt.

Peter und der Wolf ist zwar kein Klarinettenkonzert - aber am Anfang werden die Charaktere Peter (Violinen), der Vogel (Flöte), die Ente (Oboe), die Katze (Klarinette) und der Großvater (Fagott) vorgestellt. In wenigen Takten setzt Prokofieff den charakteristischen Klang der Instrumente und natürlich auch der Klarinette meisterhaft um. Vermutlich die bekannteste Klarinettenstelle der klassischen Musik überhaupt.

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Bela Bartok (1881 - 1945)

Bild: Bela Bartok

Komponist der Moderne, der aus der ungarischen Volksmusik kommt. Er zeichnete sich besonders durch rhythmisch ungewöhnliche Stücke aus. Einige neuere Werke für Klarinette, die Benny Goodman bei ihm in Auftrag gab und die schon dadurch bekannt wurden.

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Francis Poulenc (1899 - 1963)

Bild: Francis Poulenc

Französische Moderne - er gehörte zur Gruppe der "Six" in Paris. Radikale Moderne wechselt mit traditionellem Charakter. Einzelne Werke spielt der Klarinettenschüler, wenn er fortgeschritten ist. Interessant, aber kaum populär - Musik von ihm wird keine Säle füllen und entsprechend auch nicht oft bei Klassik Radio gespielt.

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Darius Milhaud (1892 - 1974)

Bild: Darius Milhaud

Als einer der französischen Moderne angehörenden Komponisten wird er bei uns nicht viel gespielt. Er hat über 450 Stücke geschrieben, und darunter gibt es einige sehr witzige, insbesondere die im Auftrag von Benny Goodman geschriebene Scaramouche - Südamerikanisch Tänze - von der ein Satz, der Brazileira, sogar recht oft im Radio zu hören ist. Milhaud war als junger Mann für den diplomatischen Dienst Frankreichs in Südamerika eingesetzt, was in diesen Kompositionen gut zu hören ist. Trotz Moderne war Milhaud ein gefälliger Harmoniker, der interessante Rhythmen liebte.

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Aaron Copland (1900 - 1990)

Aaron Copland stammt ebenso wie Gershwin, Bernstein, Milhaud und B. Goodman aus der jüdischen Musiktradition - daraus erklärt sich auch seine Geschichte als Schüler bei Rubin Goldmark in New York und in Paris bei Nadia Boulanger. Als früher Komponist und dann auch wieder als später waren seine Stücke schroff modern, z.B. zwölf tonig (also in Folge auch das Gegenteil von kommerziell erfolgreich), aber er hatte auch eine Phase, in der er sehr populär und zum Teil sogar jazzig schrieb (vergleichbar mit Gershwin). Dazu gehört auch das Clarinet Concerto, das bekannteste Klarinettenkonzert der amerikanischen Musik, das er für Benny Goodman komponierte. Es gibt zahlreiche gute Aufnahmen, darunter mit Sabine Meyer, Richard Stoltzman, Goodman selbst, William Blount und vielen anderen.

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Gerald Finzi (1901-1956)

Der hierzulande weitgehend unbekannte englische Komponist, hat ein sehr attraktives, pastoral gehaltenes Klarinettenkonzert geschrieben, von den es inzwischen schon zahlreiche Aufnahmen gibt, zuletzt bei Naxos.

(... schrieb Thomas Müthing - vielen Dank!)




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