Warum Unterricht?
Wenn man Klarinette spielen lernen will, ist der einfachste und erfolgversprechendste Weg, sich einen guten Lehrer zu suchen und Unterricht zu nehmen. Natürlich kann man auch versuchen, sich das Spielen selbst beizubringen. Es soll Leute geben, denen das gelungen ist (ich kenne keine persönlich, aber was heißt das schon).
WICHTIGER HINWEIS: Ich bin weder Klarinettenlehrer noch Profi-Klarinettist oder Musikpädagoge. Alle diese Leute haben bestimmt oft begründete, manchmal sehr fundamental vertretene Ansichten zum diesem Thema.
Ich behandle es soweit, wie es meiner Meinung nach auf einer solchen Seite behandelt werden kann und bemühe mich um Objektivität so weit das geht. Es ist - wenn man die Mails zum Thema liest - auch bestimmt das wichtigste Kapitel der gesamten Seite.
Klarinette spielen lernen ist eine Herausforderung
Klarinette spielen zu lernen ist nicht nur ein intellektueller Vorgang, den man einfach mit dem Verstand erfassen kann. Genauso wie niemand auf die Idee kommt, sich Skifahren ganz alleine selbst, vielleicht mit einem Buch, beizubringen (und wo man, wenn man es versucht, ganz schnell begreift, dass das keine gute Idee war), müssen angehende Klarinettisten Haltung und Bewegungen üben und deren Ergebnisse überprüfen.
Aller Anfang...
Der Anfang ist ziemlich schwierig, und man kann viele Dinge sehr gründlich falsch machen. Bis man einen vernünftigen Ton aus dem Instrument herausbekommt, kann man auch mit professioneller Hilfe schon stundenlang Herumprobieren. Zumindest zu Anfang lohnt es sich deshalb nicht, aus Sparsamkeit allein herumzuexperimentieren.
Soll ich meiner Tochter schon mal ein Instrument kaufen?
Übrigens ist es auch weit verbreitet, einem Kind, das Klarinette lernen soll, erst mal ein Instrument zu kaufen und dann einen Lehrer zu suchen. Die Reihenfolge sollte aber umgekehrt sein; noch klüger wäre, man leiht gemeinsam mit dem Lehrer erst einmal ein gutes Instrument. Das ist überhaupt nicht ungewöhnlich und viele Instrumentenläden bieten das an. Nach einigen Monaten sieht man weiter (siehe auch Kauftipps). Auf einem leidlich guten Leihinstrument lernt man viel besser als auf einem billigen Plastikteil vom Discounter. Und wenn Sohn oder Tochter dann längere Zeit wirklich gar nicht mehr üben wollen, gibt man es eben zurück.
Wie findet man einen geeigneten Lehrer?
- Kinder und Jugendliche (bzw. deren Eltern) können zu einer Jugendmusikschule gehen - Klarinette ist ein verbreitetes Instrument, so dass Klarinettenunterricht in der Regel dort angeboten wird. Durch die meist staatliche Unterstützung ist der Unterricht auch preiswerter als von privat. An der selben Adresse finden natürlich auch Erwachsene einen Lehrer, der dann privat unterrichtet.
- Es gibt private Musikschulen, die Unterricht anbieten.
- Es gibt Orchestermusiker, die nebenberuflich Unterricht geben. Vorsicht: Gerade brilliante Solisten müssen nicht automatisch gute Pädagogen sein. Sie sind dann vielleicht eher für fortgeschrittene und motivierte Schüler geeignet - zum Beispiel zur Vorbereitung auf Aufnahmeprüfungen.
- Man kann auch fortgeschrittene Musikstudenten fragen, wenn man in der Nähe einer Musikhochschule wohnt (man findet sie, wenn man am schwarzen Brett der Uni nachsieht oder einen Professor fragt)
- Laienorchester (Symphonische Orchester, Bigbands, Musikvereine, Blaskapellen) haben oft Nachwuchsorchester mit eigenem Unterricht oder können zumindest einen Lehrer vermitteln oder empfehlen
- Musikalienhändler sollten die Lehrer in der Gegend kennen
- ... und wo Du schon vor Deinem Rechner sitzt: Auch im Internet findet man schnell einige Lehrer. Natürlich gelten die Kriterien oben und die im nächsten Absatz gerade für Lehrer, die man über das Internet findet.
Worauf kann man bei Lehrern achten?
Natürlich sollte man sich den Lehrer oder die Lehrerin ansehen, bevor man einen Vertrag macht. Man selbst, oder noch wichtiger, das eigene Kind, verbringt viel Zeit mit dem Instrument und die Wirkung eines guten oder schlechten Lehrers kann kaum überschätzt werden. Wichtig sind anscheinend hier eher didaktische und motivatorische Fähigkeiten (wenn es mal nicht vorangeht) als dass derjenige ein toller Klarinettist ist - Orchestermusiker sind in der Regel die teuersten Lehrer und nicht unbedingt besser als andere, vor allem nicht für Anfänger oder Jugendliche. Es hilft oft, sich bei Klarinettisten in der Gegend umzuhören, gerade bei guten Amateurklarinettisten - die haben es ja auch irgendwo gelernt und können einem oft gute Tips geben, welche Lehrer in der Gegend gut sind.
Am Anfang langsam!
Verständlicherweise wollen die Schüler schnell vorankommen, man muss (wenn er nach aktuellen Erkenntnissen arbeitet) die Schüler aber bremsen. Geübt wird erst mal nur das unterste Register, das Chalumeau-Register, und das kann ein paar Wochen dauern. Das ist aber völlig richtig so! Damit haben die Schüler genug zu tun. Erst, wenn das absolut rund läuft, ist das obere Register mit šberblasen bzw. Drücken der "Oktavklappe" dran (bei der Klarinette ist es eine Duodezimklappe). Nur wenn der Lehrer zu schnell vorangeht, ist das ein Grund zur Sorge.
Natürlich kann man auf der Klarinette leicht schnelle Läufe spielen, das lernt auch ein Anfänger. Entscheidend dafür, dass man mal sehr schnell und sehr exakt spielt, ist aber, dass man langsam übt. Der Lehrer sollte das forcieren, wenn er es nicht tut, sollte man anfangen, darüber nachzudenken, wie gut er/sie ist...
Wenn man nach zwei bis drei Jahren das, was es an Technik und grundlegenden musikalischen Fähigkeiten für den Amateur zu lernen gibt, gelernt hat, hilft der Lehrer schon allein dadurch weiter, dass man eben bestimmte Dinge regelmäßig übt. Sicher kostet das Geld. Man kann das natürlich auch durch eine disziplinierte Gruppe mit anderen Klarinettisten ersetzen, die sich regelmäßig trifft, wie das oft in Orchestern der Fall ist (nennt sich Registerprobe). Ab und zu mal einen Fachlehrer dazu zu holen hilft aber auch hier - sonst schleichen sich Probleme ein. Auch Profis, die täglich viele Stunden üben, gehen regelmäßig zu einem Lehrer, oder holen sich Rat und Kritik bei anderen.
Deutsch oder Boehm lernen - oder nachträglich wechseln?
In Mails an mich wurde die Frage schon mehrfach gestellt, ob es sinnvoller ist, mit dem Deutschen System (das verbreitete Oehler-System ist auch ein Deutsches System genannt) anzufangen als mit dem Boehm-System. Oft hat ein Schüler auch auf einem Boehm-System angefangen (z.B. weil es ein günstiges Angebot war, weil man in der Schule gerade so ein Instrument hatte, oder auch weil es im Ausland war) und will jetzt systematisch Unterricht nehmen und gleichzeitig ein neues, gutes Instrument kaufen.
Jedes der beiden Systeme hat seine Vorteile. Eine Gegenüberstellung findet sich hier.
Im deutschsprachigen Raum ist das deutsche oder Oehler-System verbreiteter als das Boehm-System, das in der ganzen übrigen Welt verwendet wird. Dadurch sind die Klarinettenlehrer in der Regel mit dem Instrument, den Griffen und den dazugehörigen Blättern und Mundstücken vertraut. Ein Anfänger ist sehr abhängig davon, dass er etwas von seinem Klarinettenlehrer lernt, und wenn der Lehrer oder die Lehrerin das zu lernende System nun überhaupt nicht beherrscht, ist das natürlich ein Nachteil. In der Regel sollte aber ein ernsthafter Klarinettenlehrer auch das Boehmsystem kennen.
Wer Profi-Klarinettist in Deutschland werden will, hat mit dem deutschen System deutlich bessere Chancen, in eine der begehrten Profi-Orchesterstellen zu kommen. Die meisten Profi-Orchester sind da sehr konservativ. Das dürften aber die wenigsten Anfänger (oder deren Eltern) ernsthaft anstreben.