Ein sensibler Schwingungserzeuger
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- Blatt (Bassklarinette)
Das Blatt und das Mundstück, auf dem es befestigt ist (gebunden oder geschraubt), ergeben den Schwingungserzeuger des Instruments, sie sind zusammen der wichtigste und individuellste Teil der Klarinette.
Klarinetten (und Saxophone) sind Instrumente mit einfachem Rohrblatt im Gegensatz zum Doppel-Rohrblatt bei Oboe und Fagott (Vergleich).
Von nichts hängt der Klarinettist so ab wie vom Zustand seines Blattes, und kaum etwas verändert sich schneller. Die meisten Spieler schimpfen über das Blatt, mit dem sie gerade spielen müssen, und wenn das Instrument quietscht, wird die Schuld dem Blatt gegeben - meist ist da auch was dran. Blätter verändern sich beim Spielen oder bei Temperatur- und Wetterumschwüngen, man schleift daran herum, bekommt sie halbwegs hin, und dann werden sie mit der Zeit immer "leichter", bis man sie nicht mehr benutzen kann; sie bekommen Risse oder wellen sich. Sie sind das sensibelste Teil an einer Klarinette.
Wie man ein Blatt auf dem Mundstück befestigt, ist im Kapitel Mundstück beschrieben.
Inhalt
Material und Herstellung
Fiberreed, Carbon und ähnliche Entwicklungen
Die Rolle des Blatts bei der Tonerzeugung
Physische Anforderungen an Blätter
Stärkeklassen (Härte)
Kauf und Hersteller
Umgang mit Blättern
Bearbeiten von Blättern
Material und Herstellung
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- Arundo Donax
Das Blatt (englisch: reed) wird aus dem Rohr eines Schilfgrases gewonnen, das vor allem am Mittelmeer vorkommt und dort auch für Instrumentenblätter angebaut wird, dem Arundo Donax. Diese Pflanze ist Bambus recht ähnlich. Das Rohr wächst in einem Jahr zur vollen Größe. Man lässt es noch etwas stehen und dann wird es geerntet. Wenn man es trocknet und lagert (ca. 2 Jahre) wird es etwa so gelb und fast so hart wie Bambus.
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- Schnitt durch Blatt
Im inneren Aufbau besteht das Rohrholz aus langen, hohlen, elastischen, parallel liegenden
Blattfasern, die miteinander quasi verklebt sind. Das macht die elastischen Eigen- schaften des Blattes
und die hohe Festigkeit aus. Man kann die Fasern sehr gut im Mikroskop erkennen, wobei das Bild links
den Querschnitt zeigt. Am Ausstich eines Blattes kann man die Enden der einzelnen Fasern auch gut mit
bloßem Auge erkennen.
Aus dem Rohr schneidet man (maschinell) rechteckige flache Stücke Holz, für B-Klarinetten etwa 7cm * 1cm * 0,4cm. Bei den anderen Klarinetten wird es entsprechend größer oder kleiner.
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- Blatt (Bassklarinette) von Seite: zeigt den Ausstich
Das Stück wird an der Unterseite ebenso von Maschinen völlig eben gehobelt und geschliffen. An der Oberseite wird es zu einem Ende hin abgeflacht, so dass es nur noch 0,08 Millimeter dick ist. Die Toleranzen dieser Maschinen liegen bei etwa 4/1000 mm. Da das Blatt aber natürlich gewachsen ist, sind keine zwei Blätter gleich, obwohl die Abmessungen identisch sind.
Mit dem Einsatz moderner CNC-Maschinen könnte theoretisch schon heute jeder Klarinettist seine für ihn individuell optimalen Blätter preiswert herstellen lassen. Praktisch scheitert das aber noch an der Menge an möglichen Kombinationen und der Übertragung der Profile - siehe hierzu den Artikel in MZL.
Je nachdem, welche Kurve die Abflachung hat - also wie stark das Blatt an den einzelnen Stellen ist - und wie elastisch und hart das Material ist, hat das Blatt bestimmte Klangeigenschaften. Es wird ausprobiert (automatisiert oder von Hand) und dann nach bestimmten Stärken sortiert und verkauft.
Fiberreed, Carbon und ähnliche Entwicklungen
Schon immer wurde mit verschiedenen Kunststoffen herumexperimentiert, um die sensiblen Blätter durch zuverlässige, immer gleiche Kunststoff-Produkte zu ersetzen, mit immer gleichem Ansprechen, und nimmermüdem Klang. Experimente mit Plexiglas und ähnlichen Stoffen schlugen in den sechziger Jahren fehl, weil die Schwingungseigenschaften nicht annähernd dem entsprachen, was man sich erhoffte.
In den letzten Jahren gibt es durch Verbundstoffe wie Glas- und Kohlefasern, verleimt durch Kunstharze, deutliche Fortschritte. Diese Verbundstoffe sind schon an sich Holz recht ähnlich. Durch die Möglichkeit, hohle Carbonfasern zu verwenden, die von der Struktur den Holzfasern im Blatt ähneln, hat zum Beispiel Harry Hartmann mit Fiberreed vor einigen Jahren ein bereits ziemlich brauchbares Blatt hergestellt. Ich habe mir aus Neugier so ein Blatt für die Bassklarinette gekauft. Es war für meinen Geschmack immer noch viel zu glatt an der Oberfläche und sprachen nicht ganz so gut im pp an wie Holz (ganz ähnlich wie ein etwas schweres, nicht eingespieltes Holz-Blatt), aber es war schon beeindruckend, wie gut es funktionierte und voraussichtlich werden diese Produkte auch noch immer besser.
Die Rolle des Blatts bei der Tonerzeugung
Das Blatt wird am Mundstück der Klarinette befestigt, so dass nur noch ein ganz schmaler Spalt zwischen Blatt und Mundstück offen bleibt. Umschließt man das Mundstück und das Blatt der Klarinette mit den Lippen und bläst hinein, entsteht ein Ton. Genaugenommen wirkt das Blatt zusammen mit dem Mundstück als ein Ventil, das sich öffnet und schließt: Die Luft drückt das Blatt gegen die Öffnung des Mundstücks, so dass der Luftstrom unterbrochen wird. Weil das Blatt aber elastisch ist, schwingt es sofort zurück und gibt die Öffnung wieder frei. Sofort strömt die Luft wieder hinein, das Blatt wird wieder gegen die Öffnung gedrückt und so weiter. Das passiert zwischen hundert bis hin zu ein paar tausend Mal pro Sekunde. Es entsteht eine gepulste Luftsäule in der Klarinette, deren Schwingung wir als Töne hören. Detaillierter ist das hier beschrieben.
Physische Anforderungen an Blätter
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- Blatt im Gegenlicht
Damit das Blatt diese schnellen Schwingungen gut mitmacht, muss es am vorderen Ende extrem dünn sein, typisch sind 0,08 mm. Dabei muss es aber auch steif und elastisch sein, auf beiden Seiten praktisch völlig gleiche Schwingungseigenschaften haben und sich unter den extremen Bedingungen des Schwingens auch nicht verändern. Man bedenke, dass es sich um einen Abschnitt Schilfrohr handelt, der, sobald er im Mund ist, ja auch feucht wird, darüber hinaus auch noch um 30 -36 °Celsius warm wird - keine guten Bedingungen für Holz. Wenn man das bedenkt, ist jedes funktionierende Blatt ein kleines Wunder.
Stärkeklassen (Härte)
Je nach Hersteller bekommen die verschiedenen Blattstärken unterschiedliche Bezeichnungen. Typisch sind Zahlen wie 1 - 5, zum Teil in 1/2 - Schritten, also 1, 1 1/2, 2, 2 1/2 und so weiter bis 5. Dabei ist 1 am leichtesten und 5 am schwersten. Bei einem normalen Mundstück und normaler Übung wird ein klassischer Klarinettist in der Regel mit 2 1/2 oder 3 spielen. Mit einem Blatt der Stärke 2 oder 2 1/2 kann ein routinierter Klarinettist eine "Bierzeltmucke" mehrere Stunden durchhalten, bei 3 1/2 oder 4 bekommt er einen Wangenmuskelkater nach einer knappen Stunde. Das sind natürlich nur normale Richtwerte, je nach Instrument, Blatt und Spieler kann es auch ganz anders aussehen...
Die Übergänge der Stärkeklassen sind fließend, und von Blatt zu Blatt gibt es natürliche Schwankungen. Selbst bei industrieller Massenfertigung (wie z.B. bei Vandoren) sind die Unterschiede aber schon erstaunlich gering, das gilt umso mehr bei kleineren Anbietern (wie "sinus" oder Alexander Willscher), wo jedes Blatt vom Hersteller ausprobiert und korrigiert wurde.
In bestimmten Grenzen kann man mit einfachen Maßnahmen schwere Blätter leichter und leichte schwerer machen. Dies ist weiter unten unter Bearbeiten von Blättern beschrieben.
Kauf und Hersteller
Es gibt dutzende von Herstellern, die zum Teil lokal in Deutschland (wie Willscher, Steuer) oder auch international etabliert sind (vanDoren, Ricoh). Normalerweise werden Blätter in Packungen (zu 5 oder 10) verkauft, im Musikladen manchmal auch einzeln. Je nach Hersteller muss man damit rechnen, dass man bei zehn Blättern in der Schachtel mit 2 bis 5 nicht zurechtkommt. Natürlich kann man Blätter, auch wenn man sie einzeln im Geschäft kauft, nicht ausprobieren, aber einigen kann man schon von Farbe und Maserung oder Faserverlauf ansehen, dass sie nichts taugen - wenn man einzelne kauft, muss man die ja nicht nehmen. Der Verkäufer ist davon natürlich nicht begeistert, und je nach Sitten vor Ort und Bekanntheitsgrad wird er versuchen, das abzulehnen... Und wenn man eine Packung kauft, geht das natürlich auch nicht.
Umgang mit Blättern
Es gibt fast so viele Ansichten zum Umgang mit Blättern wie es Klarinettisten gibt, und oft genug widersprechen sich diese Ansichten auch noch. Zumindest herrscht weitgehend Einigkeit darin, dass man Blätter "einblasen" sollte, also zu Beginn - auf einem neuen Blatt - nicht mehr als 15 Minuten spielt. Das mag sich merkwürdig anhören, aber die meisten erfahrenen Klarinettisten machen das so.
Ich finde darüberhinaus sehr interessant, was die Oboisten mit ihren Rohren machen - schließlich sind die aus dem gleichen Material, aber deutlich empfindlicher und teurer. Während wir Klarinettisten unsere Blätter meist mit Spucke anfeuchten (man muss Blätter vor dem Spielen feucht machen, sonst geht ja gar nichts) - tun das die meisten Oboisten mit Leitungswasser. Sie haben dafür auch eine plausible Begründung:
"Blätter bestehen aus Zellulosestruktur. Wie ein Schwamm sind sie porös und absorbieren Wasser. Genau wie ein Schwamm trocken nicht wischt, funktionieren sie nicht, wenn sie trocken sind. Deshalb müssen sie angefeuchtet werden. Dazu sollte man Leitungswasser benutzen, nicht Spucke. Speichel enthält Enzyme, die die Proteine in der Zellulose des Blattes anlösen können. Das führt dazu, dass die Elastizität des Blattes schnell nachlässt. Wenn das Blatt sich erst mit Leitungswasser vollgesogen hat, kann man es in den Mund nehmen, dann dringt nicht mehr so viel Spucke in die Blattstruktur hinein." (Zitiert nach: http://www.doublereeds.com/some_thoughts...)
Oboisten haben immer ein kleines Wasserglas dabei, oder, praktischer, eine Foto-Filmdose. So etwas findet man in Drogerien, wo Fotos abgegeben werden. Die füllt man bei Probe oder Konzert auf der Toilette und kann dann seine Blätter überall darin anfeuchten (und wenn man spielt, macht man die Dose zu, so dass es beim Umkippen kein Malheur gibt). Natürlich sind Klarinettenblätter nicht so sensibel wie Oboenrohre, aber was die Lebensdauer des Oboenrohrs erhöht, sollte auch dem Klarinettenblatt helfen.
Lagerung und Transport
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- Blätter-Behälter
Grundsätzlich sollte man seine Blätter schonend behandeln und nach dem Spielen in Blätterkästen aufbewahren, damit sie vor den übelsten Einflüssen geschützt sind und nicht Wellen schlagen. Die abgebildeten Behälter sind vergleichsweise preiswert, praktisch und haben sich bewährt. Sie sind übrigens ein prima Geschenk für Klarinettisten, die noch immer Blätter in den Pappkartons der Hersteller zwischen Wattestreifen transportieren!
Blätter oder Rohlinge
Die meisten Amateurklarinettisten dürften Blätter kaufen und keine Rohlinge. Blätter sind eigentlich perfekt spielfertig in Stärken vorsortiert, Rohlinge können grob vorgehobelte Blattabschnitte mit glatter Unterseite und grobem Ausstich sein, an denen man in der Regel noch eine Menge machen muss. Sie sind wesentlich billiger als Blätter, aber kommen in 100-Stück-Kartons. Für die meisten von uns lohnt sich das nicht. Das gilt auch für die Investition in präzise Kopier-Schleifmaschinen und handwerkliche Ausstattungen, wie sie für Oboisten und Fagottisten schon fast normal sind (aber deren Rohre kosten fertiggestellt auch locker das Zehnfache eines Klarinettenblatts).
Ausprobieren von Blättern
Bevor man ein Blatt ausprobieren kann, muss man sicher sein, dass die Klappen der Klarinette völlig decken (also keine Luft durch irgendwelche Klappen entweicht), weil sonst Zischen, Quietschen und andere Probleme auftreten können, die nichts mit dem Blatt zu tun haben. Wie man das macht, steht im Kapitel Wartung.
Wenn man ein Blatt neu aus dem Karton nimmt, ist es meist lange ausgetrocknet. Deshalb sollte man es erst einmal anfeuchten (Leitungswasser, siehe unter Umgang), das braucht etwa 3-5 Minuten, bis es auch im Inneren der Spitze feucht ist. Dann sieht man sich die Blattunterseite an: Sie muss völlig eben sein. Die Blattspitze muss flach aufliegen und darf keine Wellen bilden. Man bindet oder schraubt das Blatt auf und probiert die tiefe Lage und das g'". Beides sollte gut gehen (auch piano ohne viel Rauschen). Dann mit dem c' prüfen, ob beide Seiten gleichmäßig sind - dazu dreht man die Klarinette im Mund hin und her und hindert so einmal die linke, einmal die rechte Seite des Blattes am Schwingen. Dann testet man ein paar problematische Bindungen. Klappt alles? Prima! Aber zu Anfang nicht übertreiben und das Blatt immer nur relativ kurz, ein paar Minuten, spielen, dann weglegen: Viele Experten sind davon überzeugt, dass man ein Blatt "einspielen" muss.
Die meisten Klarinettisten machen sich, nachdem sie sich sicher sind, wie das Blatt ist, Notizen auf dem Blatt. Ein wischfester Folienschreiber schreibt gut auf dem nicht gehobelten Blattrücken, wo man das Blatt auch nicht verletzt.
Bearbeiten von Blättern
Überblick
Muss man das können?
Kleine Schritte!
Die Regionen des Blattes
Werkzeug für Blätterbeaerbeitung
Unterseite glätten
Blatt insgesamt leichter machen
Nur die tiefe Lage leichter machen
Blatt schwerer machen
Probleme mit Bindungen
Quietschen
Ton zu "hell"
Eine Seite zu leicht
Muss man das können?
Früher hätte man schon diese Frage als Lästerung verurteilt: "Ein deutscher Klarinettist baut sich seine Blätter selbst!" Dafür waren die Deutschen in der Tat bekannt, Brymer schreibt das noch in seinem Buch. Heute ist allerdings die Qualität der Blätter auch schon zu vernünftigen Preisen so gut und vor allem so einheitlich, dass zum Beispiel der Autor für seine Bassklarinette einfach in den Laden geht und eine Zehnerpackung Vandoren Klassik (Altsaxblätter, die passen genau auf das Mundstück meiner [deutschen] Bassklarinette - [bei Boehm passt Tenor!]) kauft, von denen so im Schnitt sieben bis acht gut brauchbar sind. Für stundenlanges Arbeiten an Blättern habe ich einfach nicht die Zeit und die Geduld. Allerdings bin ich auch froh, wenn ich ein Blatt ohne viel Stress ein bisschen schwerer oder leichter machen kann - und das sollte wirklich jeder können, es ist keine Geheimwissenschaft!
Vorsichtige, kleine Schritte - wissen, wann man aufhört
Grundsätzlich vorsichtig arbeiten! Lieber ein paar mal mehr probieren, als zu radikal schleifen, denn rückgängig lässt sich nichts machen! In diesem Zusammenhang lohnt sich natürlich eine Patent-Blattschraube, da ist das Blatt schneller auf dem Mundstück befestigt als beim Binden (auch wenn man aus ideologischen oder anderen Gründen "bindet"). Mit der Erfahrung weiß man schon, ob und wo man schleifen muss, am Anfang geht einiges daneben - es empfiehlt sich, das Ausprobieren mit älteren Blättern anzufangen, und nie mit dem besten Blatt, das man gerade hat...
Manchmal stellt man aber fest, dass sich aus einem Blatt trotz Mühe einfach nichts machen lässt oder man hat es totgeschliffen. Dann kann man es guten Gewissens wegwerfen - man wird auch später nichts mehr daraus herausholen. Es reicht, wenn man ein oder zwei alte, unbrauchbarer Blätter aufbewahrt, um zum Beispiel Mundstückbahnen zu schützen. Sonst verliert man schnell die Übersicht über brauchbare, benutzte und noch nicht getestete Blätter.
Die Regionen des Blattes
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- Blatt: Regionen
Den gesamten abgehobelten Bereich nennt man Ausstich.
Die Farben zeigen in etwa Bereiche gleicher Stärke (analog Höhenlinien).
Die Blattspitze (weiß) ist die dünnste und sensibelste Region, sie ist für hohe Schwingungen und die Ansprache des
Blattes verantwortlich.
Den schwarz umrandeten Bereich nennt man Blattherz.
Im Blattherz wird generell nicht geschliffen,
außer man muss den gesamten Blattaufbau ändern.
Die Seiten oder Flanken neben dem Herz sind wichtig für die Balance.
Den Bereich unterhalb des Herzens nennt man Schulter,
hier ist das Blatt sehr dick und schwingt praktisch nicht.
Den unbearbeiteten Bereich nennt man Schaft oder Rücken.
Die Sägefläche am unteren Ende nennt man Sohle-Schnitt.
Werkzeug für Blätterbearbeitung
- Schachtelhalm (erhältlich im Musikfachgeschäft oder in der Apotheke - siehe Bild),
- sehr feines Sandpapier, sehr praktisch sind Spatel (Apotheke) mit aufgeklebtem Sandpapier
- Glas- oder Plexiglasblock, ca 25 * 4 cm, 10mm stark, auf dem man die Blätter schleifen kann;
dadurch, dass dieser Block durchsichtig ist, kann man im Gegenlicht die Stärke des Blattes
sehr gut erkennen (siehe Bild unten mit Schachtelhalm) - völlig flacher Schleifstein (Werkzeugschleifstein)
- Blattabschneider (Instrumentenhandel - siehe Bild unten)
- Lichtquelle, gegen die das Blatt gehalten werden kann, um die Bearbeitung zu kontrollieren
- 500 ml Joghurtglas mit Wasser zum Schleifen und Anfeuchten (sonst muss man immer ins Bad
oder in die Küche)
Unterseite glätten
Erste Maßnahme, vor allem bei neuen Blättern, ist die Prüfung der Unterseite und Glättung falls nötig. Eine unebene Unterseite ist in vielen Fällen der Grund für Probleme. Außerdem kann man da nicht viel falsch machen, weil die Unterseite einfach nur völlig eben sein muss; während die Oberseite eine komplizierte Form hat. ändert man diese Form, ändern sich wesentliche Eigenschaften des Blattes. Um die Unterseite des Blattes zu glätten, verwendet man einen absolut glatten Schleifstein, wie man ihn in Eisenwarenläden, manchmal auch in Baumärkten, bekommt.
Blätter werden grundsätzlich feucht bearbeitet. Man legt das Blatt mit der glatten Seite nach unten auf den Stein oder das superfeine Schleifpapier, fasst mit Zeigefinger, Mittelfinger und Ringfinger von oben darauf (auf dem Blattrücken, und nicht zu weit vorne) und schiebt es (zwei oder drei Mal) ohne viel Druck nach hinten weg. Das heißt es bewegt sich mit dem Sohle-Schnitt voran und nicht in Richtung Spitze. Nie ein Blatt vorwärts, also mit der Spitze voran, unter Druck über Schleifpapier oder Stein schieben - das könnte die empfindliche Spitze zerstören!
Das Ganze ist nicht so einfach, wie es aussieht... man kriegt das Blatt nämlich nicht so gut zu fassen, und man darf nicht auf einer Seite stärker drücken als auf der anderen.
Blatt insgesamt leichter machen:
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- Mit Schachtelhalm...
Einfachste Methode - wenn es nur etwas leichter sein soll: Das Blatt umgekehrt (Ausstich nach unten, glatte Seite nach oben, Blatt ganz waagerecht halten) in spitzem Winkel unter leichtem Druck ein oder zweimal über den Schleifstein oder feines, flach liegendes feines Schleifpapier ziehen.
Wirkt stärker: mit feinen Schleifpapier oder Schachtelhalm auf der Oberseite an der Spitze im vorderen Randbereich etwas dünner schleifen (sehr vorsichtig!) - so wie auf dem Bild zu sehen. Dabei mit dem Schachtelhalm immer nur von hinten nach vorn, also zur Spitze hin schleifen, damit die Fasern nicht aufgerissen werden. Dazu kann man die Flanken vorsichtig etwas abschleifen; das ist im Bild oben der grüne Bereich (aber immer außerhalb des Blattherzens). Das wichtigste Wort hierbei ist vorsichtig: Ein Strich zu viel und das Blatt ist hinüber! Dabei muss man aufpassen, dass man die beiden Seiten gleichmäßig behandelt. Am besten prüft man das, indem man das Instrument mit dem Blatt im Mund rechts und links herum dreht, dabei wird die rechte oder linke Seite "abgedrückt" und spricht nicht an, so dass man einen Vergleich hat.
Nur die tiefe Lage leichter machen:
Wie oben beschrieben, nur weiter weg von der Spitze, im blauen und gelben Bereich Holz wegnehmen. Hier ist das Blatt wesentlich stärker, und entsprechend mehr kann weggeschliffen werden, bis sich eine Wirkung zeigt.
Blatt schwerer machen:
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- Blattschneider
Das Blatt lässt sich zwar leicht spielen, aber es jault etwas und es ist schwierig, die Tonhöhe zu halten, Forte schnarrt, bei Fortissimo drückt man gefühlsmäßig das Blatt gegen das Mundstück "zu". Eigentlich bedeutet "zu leicht" nur, dass das Blatt zu stark schwingt; das kann zum einen daran liegen, dass es im vorderen Teil oder auch insgesamt zu dünn ist; andererseits kann es auch daran liegen, dass der Spalt zwischen Blatt und Mundstück zu dünn ist.
Entsprechend kann man das Blatt etwas (nie mehr als etwa einen zehntel Millimeter) mit dem Blattschneider abschneiden und dann den hinteren Teil entsprechend nacharbeiten - das bedeutet, dass man die komplette Form (jetzt auch das Herz) nacharbeiten muss. Achtung beim Abschneiden mit dem Blattschneider: immer erst das Blatt nach dem Schneiden herausnehmen und dann den Schneidemechanismus zurückschnappen lassen, sonst kann das Blatt zerstört werden (es reißt ein)!
Alternativ kann man das Blatt auf den Schleifstein legen und dann die Unterseite abschleifen, wobei man Druck auf das hintere Ende des Blattes ausübt. Dadurch kommt das Blatt beim Befestigen am Mundstück mit dem Vorderteil höher; der Spalt wird größer und das Blatt schwerer. Das empfiehlt sich vor allem bei alten Blättern. Gegenüber dem Abschneiden hat es den Vorteil, dass man den Ausstich nicht komplett nacharbeiten muss.
Probleme mit Bindungen:
Wenn Bindungen nicht ohne weiteres gehen, kann man an den Flanken über die gesamte Länge des Ausstichs gleichmäßig mit Schachtelhalm oder Feile etwas abschaben.
Quietschen:
Blätter quietschen meist dann, wenn sie in der Spitze zu dünn und hinten um das Herz zu dick sind. Das führt dazu, dass sie nicht mehr stark genug sind, um völlig zurückzuschwingen. Drückt man ein Blatt vorsichtig im Winkel von 45 Grad auf z.B. auf eine Glasplatte, biegt es sich. Ein Blatt, dass noch genügend elastisch ist, biegt sich schnell völlig zurück. Ein Blatt, dass zu alt oder zu dünn ist, bleibt ein bisschen in die Richtung gebogen. Da hilft dann nur noch Abschneiden und das gesamte Blatt so nachzuarbeiten, dass die ursprüngliche Form wieder erreicht wird - oder man wirft das alte Blatt dann weg, lang hilft die Maßnahme ohnehin nicht mehr.
Ton zu "hell":
Erst einmal jemand anderen befragen - der subjektive Höreindruck kann ganz anders sein als das, was bei anderen ankommt (siehe hierzu Kapitel Klang - subjektives Klangerlebnis). Wenn der Ton wirklich zu hell ist:
Wenn bei einem Blatt kurz vor der Spitze am rechten und linken Rand der Bahn zu viel Holz abgeschliffen wird, klingt das Blatt heller. Will man einen "dunklen" Ton, sollte man vermeiden, hier zu viel zu schleifen. Bei diesem Blatt bleibt nur, die Spitze zu kürzen und die komplette Bahn nachzuarbeiten (die Bahn verlängern und den Rand vergleichsweise stärken).
Eine Seite ist zu leicht:
Wenn man das Instrument im Mund dreht, drückt man das Blatt damit auf einer Seite gegen das Mundstück und damit kann nur noch die andere Seite schwingen. Stellt man hier deutliche Unterschiede fest, sollte man ausgleichen. Dazu muss man nicht gleich die Bahn ändern, sondern man kann viel einfacher vorgehen: Das Blatt wird mit der zu leichten Seite auf den Schleifstein gestellt (also hochkant), und ganz vorsichtig, immer von der Spitze weg, etwas abgeschliffen. Dadurch wird das Blatt etwas schmaler (bis einen halben mm ist wegen der Reserve der Mundstückbahn noch OK), aber auf dieser Seite wird es praktisch dicker. Der Effekt ist natürlich unsymmetrisch - also sehr vorsichtig anwenden und dann ausgleichen...