Es-Klarinette bis Kontrabassklarinette -
Klarinetten in verschiedenen Größen
Wenn von "der" Klarinette die Rede ist, meint man in der Regel die B-Klarinette. Es ist die mit Abstand am häufigsten gespielte Klarinette, aber es gibt noch viele andere Klarinetten in verschiedenen Größen und Stimmungen. Da sind die kleine und hohe Es-Klarinette, die riesige und tiefe Kontrabassklarinette und noch etliche andere Typen dazwischen. Manche, wie B- und A-Klarinette, findet man in fast jedem Orchester, und in den meisten Partituren nach 1770 tauchen sie auf - für andere Typen gibt es insgesamt in nur eine Handvoll Kompositionen.
Nicht nur für Klarinetten waren verschieden gestimmte Größen und Typen normal, das kam bei den meisten Instrumenten vor. Tatsächlich existierten in der Frühzeit der Klarinetten noch wesentlich mehr verschiedene Stimmungen und exotische Typen als heute.
Der Grund dafür, dass es früher viel mehr Instrumententypen gab als heute, ist die Veränderung der Stimmung der Töne in Tonleitern. Mit der um 1700 und davor üblichen Stimmung konnte man mit Instrumenten, die feste Stimmungen hatten, eigentlich nur Musik in einer Tonart oder in direkt mit dieser "verwandten" Tonarten spielen (bei B-Instrumenten wären das F-Dur und Es-Dur). Der Hintergrund ist ausführlicher hier beschrieben.
Also wurden Klarinetten in vielen verschiedenen Tonarten gebaut und gespielt: Es gab A- B- C- D- und Es-Klarinetten und so weiter. Das war natürlich unpraktisch und teuer.
In den letzten zwei hundert Jahren haben sich in den Orchestern unter Profis und umso mehr auch unter den
Amateuren eine überschaubare Zahl von Instrumententypen etabliert,
und die Komponisten schreiben praktisch nur noch für diese.
Nur selten wird man heute im Konzert noch ein anderes Instrument erleben.
Ältere Werke werden für diese Typen umarrangiert.
Aber wie immer gibt es Ausnahmen und Gegenbewegungen.
Die verbreitetsten Klarinettentypen
Jedem Typ ist ein eigenes Kapitel gewidmet:
- Es-Klarinette (die kleinste und höchste)
- A- und B-Klarinette (die "normalen" Klarinetten)
- Altklarinette in Es und Bassetthorn F
- Bassklarinette (die tiefe Klarinette) in B
- Kontra-Alt und Kontrabassklarinette (sehr tief und selten)
Dabei bezeichnen die Töne A, B und Es nicht einen "Grundton", also den tiefsten möglichen Ton, der erklingt, wenn alle Klappen geschlossen sind. Das gibt es bei Blechbläsern - und da sind dann alle anderen Töne Obertöne dieses Grundtons. Bei Klarinetten gibt es das in diesem Sinne nicht. Hier ist der Ton gemeint, der erklingt, wenn man ein notiertes C greift.
Weniger gebräuchliche Größen
Die oben angegebenen Instrumententypen sind üblich für die klassischen Symphonieorchester und die Blasorchester der westeuropäisch geprägten Kulturkreise (natürlich damit auch Nord- und Süamerika, Australien, Südafrika etc.). In anderen Kulturkreisen kann das ganz anders sein: Zum Beispiel werden in der traditionellen Türkischen Musik, die im Vergleich zur westlichen Musik melodisch und rhythmisch wesentlich komplexer ist, noch ganz andere Klarinetten eingesetzt, zum Beispiel Metallklarinetten in G, meist im Albert-System.
Der Leser Thomas Aigner schrieb: ... Daneben gibt es auch noch Hoch-G und Hoch-As - Klarinetten. Sie werden in der Wiener Schrammel-Musik verwendet. Die Hoch-G-Klarinette hat im Gegensatz zur Es einen sehr feinen Klang. Sie wird z.B. von Schwenk und Seggelke gebaut (dort ist auch eine genauere Beschreibung zu finden).
Kann man die verschiedenen Instrumentengrößen nicht einfach durch andere ersetzen?
Muss es nicht einfach möglich sein, zum Beispiel eine Es-Klarinette durch eine B-Klarinette zu ersetzen, indem man einfach alles eine Oktave höher spielt? Dann käme man mit B-Klarinetten und einer Bassklarinette aus. Es erklingen doch die gleichen Töne, ob ich sie mit einer B- oder einer Es-Klarinette spiele...?!?
Praktisch kann man das natürlich tun, und wenn man die eigentlich vom Komponisten vorgesehene Klarinette nicht hat (wer hat schon ein Bassetthorn?), bleibt einem auch nicht viel anderes übrig (obwohl man oft für verhältnismäßig wenig Geld Instrumente leihen kann - vor allem auch von Musikschulen).
Vom Klang her ist es dann aber wirklich keine gute Idee, weiter auseinanderliegenden Größen durcheinander zu ersetzen, zum Beispiel statt einer Es-Klarinette eine B-Klarinette zu verwenden und nach oben zu transponieren. Es fällt aus folgendem Grund stark auf: Der Klang einer Klarinette im oberen und unteren Register ist sehr unterschiedlich. Töne, die eine Es-Klarinette im sonoren unteren Register mit eher starken Obertönen spielt, fallen bei einer B-Klarinette in die Mitte des oberen Registers, wo die Klarinette eher neutral klingt.
Im besten Fall stimmen bei einem solchen Vorgehen also Töne und Rhythmus überein und das Instrument kommt aus der gleichen Familie. Es wäre natürlich viel auffälliger, wenn man eine Es-Klarinette durch eine Oboe oder eine Flöte spielen ließe also durch eine B-Klarinette. Aber wenn die zu ersetzende Stimme eine wichtige Rolle spielt und die Zuhörer den Originalklang kennen, hören sie auch das.
Vom Klang her lassen sich also dicht beieinander liegende Instrumente wie A-Klarinette und B-Klarinette oder Bassetthorn und Altklarinette schon durch einander ersetzen. Der Zuhörer merkt das kaum. Dabei wird aber dann der Klarinettist unglücklich - wegen der vielen Vorzeichen, die man dabei bekommt.