Pflege und Umgang

Problemen vorbeugen - was sollte man tun und was lassen?

Damit es erst gar nicht zu Problemen kommt, sollte man mit seinem Instrument pfleglich umgehen. Ein paar grundsätzliche Dinge gilt es zu beachten. Das meiste davon ist einfach.

  • Vor dem Spielen: Regelmäßig die Korken der Zapfen fetten. Dann lassen sich Ober- und Unterstück ganz leicht zusammensetzen, weil dann die Korken der Zapfen geschmeidig bleiben und sich auch ohne Gewalt zusammensetzen und wieder auseinandernehmen lassen, muss man nicht so kräftig zupacken und die langen Klappen verbiegen auch nicht so schnell. Am besten nimmt man Fett, das nicht verharzt (z.B. das von Tromba).
  • Während des Spielens: Wenn sich Wasser in den Tonlöchern und hinter Klappen sammelt, läßt sich das am besten mit Zigarettenpapier absaugen. Wenn das Instrument dazu neigt, dass Tonlöcher vollaufen, wischt man in längeren Spielpausen das Instrument am besten einmal durch.
  • In Konzert- und Probepausen muss man das Instrument unbedingt sicher abstellen - am besten gut sichtbar auf einem Klarinettenständer. Niemals auf einen Stuhl ablegen - der kann angestoßen werden, und das Instrument fällt runter! Außerdem ist eine waagerechte Lage auch nicht gut für den Abfluss der Feuchtigkeit im Instrument. Bassklarinetten kann man - wenn man keinen (schweren) Bassklarinettenständer mit sich herumschleppen will, auch problemlos in eine Ecke eines Raums lehnen (wie Fagottisten das Fagott).
  • Nach dem Spielen - vor dem Einpacken - das Instrument korrekt auswischen und trocknen lassen. Dabei wischt man zumindest das Oberstück immer von oben nach unten, weil der Wischer gerne an dem kleinen Röhrchen in der Bohrung, das unter der obersten Tonlochbohrung liegt, hängen bleibt (wenn man dann von unten nach oben gewischt hat, bekommt man den Wischlappen nur schwer wieder raus). Wenn nötig auch unter den oberen Klappenpolstern das Wasser mit Löschpapier wegtupfen. Unter geschlossenen Klappen verdunstet das Wasser sehr langsam, es bleibt lange feucht, die Polster werden schnell spröde - und schlimmstenfalls schädigt die Feuchtigkeit das Holz.
  • Die Klappen sind in der Regel versilbert - und deshalb muss jede Form von Kontakt mit schwefelhaltigen Materialien und Salzen unbedingt vermieden werden. Das Silber würde sich ganz schnell schwarz färben. Gummi und Kautschuk zum Beispiel (das Mundstück ist oft aus Resonit - ein Kautschuk) enthalten erheblich Schwefel, und auch Kunststoffbänder können Schwefelverbindungen enthalten. Berühren diese die Klappen oder den Trichter der tiefen Klarinetten im Koffer, bildet sich ein Muster auf der Silberoberfläche, das kaum mehr zu entfernen ist.
    Auch der Salznebel in der Luft der Nordsee hinterläßt häßliche Spuren auf dem Silber. Sofort nach dem Auftritt auf am Meer ist gründlich Putzen und das Instrument trocken verpacken Pflicht - wer stattdessen erst mal baden geht, ärgert sich später! Die Flecken stören den Klang natürlich nicht, aber die Schönheit leidet. Ein einfaches Silberputztuch hilft schon.
  • Temperaturschwankungen vermeiden! Nie ein Instrument - schon gar nicht, wenn es noch feucht ist - bei extremer Kälte oder Wärme liegen lassen. Extreme Temperaturen gibt es in unseren Breiten vor allem im Auto: Im Winter wird es schnell mal unter Null, im Sommer in der Sonne erreicht man leicht über 60°C! Aber auch vor und auf Heizungen haben Klarinettenkoffer nichts verloren (eine abgestellte Heizung kann ja auch angestellt werden!). Bei Temperaturschwankungen schrumpft oder dehnt sich das Material, und weil Holz und Metalle unterschiedlich stark reagieren, und das Holz von Natur aus sowieso schon Poren und feine Spalten hat, kann das Risse provozieren - vor allem, wenn die Temperaturänderungen schnell kommen. Trockene Luft ist auch nicht gut für ein Holzblasinstrument. Ein Trompeter kann nach der Probe sein Instrument im Kofferraum oder sonstwo liegen lassen, wenn er in die Kneipe geht - ein Klarinettist sollte das besser nicht tun! Die Mucke am Glühweinstand auf dem Weihnachtsmarkt, am besten noch vor einem Heizlüfter, ist Gift für hochwertige Instrumente. Manche Bläser haben für diesen Zweck ein Uralt-Instrument oder eine Kunststoff-Gurke - in dem Glühwein-Ambiente hört das sowieso kaum jemand.
  • Neue Instrumente 2 mal im Jahr Ölen - das ist schon ziemlich viel; meist ist auch einmal schon gut. Ältere Instrumente einmal pro Jahr zurückhaltend oder alle zwei Jahre. Lies dazu die Hinweise von Schöttle/Clarissono im Artikel für die Zeitschrift Rohrblatt!
  • An Schrauben nur dann drehen und sie lösen, wenn es unbedingt nötig ist und dann immer ganz gefühlvoll - und immer mit einem passenden Schraubendreher! Man macht die Gewinde schnell kaputt, vor allem wenn es Metallschrauben in Holz sind: So sind die Sockel befestigt, in denen sich die Achsen drehen. Diese Schrauben sollte man nur lösen, wenn es sich gar nicht vermeiden läßt und man genau weiß, was man tut; weil sich eine Metall­schraube im wesentlich weicheren Holz nur ein paar mal festziehen läßt. Auf keinen Fall mit zu viel Kraft anziehen, sonst dreht die Schraube über!

    Das gleiche gilt für die kleinen schwarzen Stahlschrauben in weicheren Röhrchen: Auch sie können sich ihr Gewinde graben, und wenn man sie zu fest anzieht, wirken sie eher wie ein Bohrer. Besser nimmt man Locktite zum Festmachen (eine Art spröder Sekundenkleber, der sich dann später beim Rausdrehen der Schraube auch wieder löst - aber die Schraube sitzt erst mal fest!).



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